Wie teuer sind Investmentfonds in Europa?

Auch wenn Fonds als transparent gelten, ist es nicht so einfach, die Gesamtkosten zu ergründen. Wir präsentieren Ihnen unsere neue Gesamtkostenrechnung für Fonds und vergleichen dabei die Kosten von aktiv verwalteten Fonds mit den Kosten von Indexfonds in den grossen Asset Klassen.  

Ali Masarwah 27.03.2019

Die Frage, wie teuer Fonds sind, ist hochrelevant für Anleger. Fondskosten sind der entscheidende Faktor, wenn es um Erfolg oder Misserfolg eines Investments geht. Ceteris Paribus sind günstige Fonds besser als teure Fonds. Das haben wir häufig ermittelt, zuletzt per Ende Dezember im Aktiv-Passiv-Barometer per Ende Dezember 2018, in dem wir auch die Erfolgsbilanz günstiger und teurer aktiv verwalteter Fonds verglichen haben. Der Befund ist eindeutig und unter Profis auch nicht umstritten: Es ist wichtig, die Kosten unter Kontrolle zu halten. 

Bedauerlicherweise ist bei vielen Investoren weder das Wissen über die Bedeutung von Kosten stark ausgeprägt, noch hatten sie bisher die Möglichkeit, alle Kostenkomponenten auf einen Blick zu erfassen. Ja, es gibt einige bekannte Kostenpositionen. Etwa den einmalig anfallenden Ausgabeaufschlag. Dann gibt es die laufenden Kosten wie die Management Fee, auch als Verwaltungsgebühr bekannt. Sind diese beiden Kostenkomponenten den erfahrenen Privatanlegern vertraut, so dürften die allerwenigsten etwas mit den Themen Transaktionskosten oder Performance Fees anfangen können. Das liegt daran, dass die Fondsbranche es lange Zeit nicht für nötig hielt, diese Kosten für Privatanlegerprodukte auf leicht erfassbare Weise offenzulegen und in eine Gesamtkostenrechnung einzubringen. 

Doch die Zeiten haben sich geändert, und dank der EU-Richtlinie MiFid II sind die Fondsgesellschaften dazu angehalten, alle Kostenaspekte offenzulegen. Zwar gestaltet sich die Praxis schwierig, etwa die Festlegung auf einheitliche Standards für die Erhebung der Kosten – vor allem bei den Transaktionskosten gibt es sehr viel Raum für Verbesserungen! Dennoch ist das Ziel klar: Im Jahr 2022 wird im Zuge der EU Verordnung PRIIPs (steht für „Packaged Retail and Insurance-based Investment Products“) die Offenlegung aller relevanten Fondskosten in neuen Fondsprospekten – in den sogenannten „KID“ - Realität. 

Weil wir bereits heute die Daten bei den Fondsgesellschaften erheben, müssen Investoren und Berater nicht bis 2022 warten, um sich ein klares Bild über die Fondskosten zu machen. Wir haben unsere neue Kostenkennziffer „Representative Cost“ bereits vorgestellt. Heute machen wir den Start und fangen an, die MiFid-Daten, die wir bereits zum europäischen Fondsmarkt vorliegen haben, aufzubereiten. Wir werden in lockerer Reihenfolge ab heute auf einzelne Asset-Klassen und Fonds schauen und Anlegern und Beratern mehr Informationen zu den Details von Fondskosten liefern. Wie gesagt: Für die Anlegerrendite gilt es, jeden Gebühren-Basispunkt einzusparen, der eingespart werden kann! 

Die wichtigsten Asset-Klassen in der Kosten-Analyse 

Wir haben unser institutionelles Research Tool Morningstar Direct angeschmissen und die Fondskosten zu allen Aktien-, Obligationen-, Misch- und alternativen Fonds in Europa exportiert. Damit User unseres Tools die Suche replizieren können, hier noch einige, wenige technische Daten (Sie können getrost diese Zeilen überspringen und ab der Tabelle wieder einsteigen!): Wir haben uns auf die ältesten Fondstranchen am Markt beschränkt, um die Datenmasse etwas zu reduzieren. Das bedeutet, dass sowohl institutionelle Fonds als auch Privatanlegerfonds unserem Sample zugrunde liegen. 

Wir haben dabei alle Fonds der vier Gruppen Aktien, Anleihen, Mischfonds und alternative Fonds berücksichtigt, die in Europa aufgelegt wurden. Insgesamt sind es gut 35.500 Fonds. Es sind Produkte enthalten, die nur auf ihren lokalen Märkten vertreten sind (etwa Schweizer Fonds, oder Fonds aus Dänemark) sowie pan-europäisch vertriebene Fonds, die typischerweise in Luxemburg oder Irland aufgelegt sind. Wir haben uns für die einfachen Durchschnitte bei den Kosten entschieden. 

Mit Blick auf die Kostenkennzahlen haben wir einige Filter eingebaut. Da wir uns noch in einem frühen Stadium der Datensammlung befinden – wie gesagt: die PRIIPs-Verordnung tritt erst in gut zwei Jahren in Kraft -, gibt es einige Kinderkrankheiten zu adressieren. Vor allem bei der Erhebung der Transaktionskosten gibt es bei den Schätzverfahren die Gefahr von Ungenauigkeiten bzw. Inkonsistenzen. Die Transaktionskostenerhebung, die auf historischen Daten beruht, kann durch Marktfluktuationen beeinflusst werden, was zur Folge haben kann, dass bei den Transaktionskosten negative Werte ermittelt werden. Das ist natürlich Unfug – kein Fonds wird einen Gewinn dadurch erzielen, dass er handelt, was notwendigerweise Kosten produziert. Deshalb haben wir bei der Ermittlung der Transaktionskosten keine Werte von null und negative Werte berücksichtigt.   

Wir sind bei der Auswahl der einzelnen Datenpunkte pragmatisch vorgegangen und sind nach der höchsten Abdeckung gegangen. So haben wir uns entschieden, bei der Darstellung der Kennzahl „laufende Gebühren“ die seit 2014 erhobenen KIID-Daten zu verwenden, weil dieser Datenpunkt besser befüllt ist als der Datenpunkt „Ongoing Cost“, der Teil der PRIIPs-Verordnung ist (und der bereits heute eine passable Abdeckung bietet und den wir deshalb künftig immer stärker bei unseren Analysen berücksichtigen werden). 

Tabelle: Was Investmentfonds heute kosten: eine Übersicht 

Die obere Tabelle zeigt, dass Fondskosten viel mehr sind als die Management Fee. Diese bekannte Kennzahl finden Sie in der ersten Zahlenspalte links in der Tabelle. Die Spalte aussen rechts führt Sie zu den Representative Costs, die Handelskosten einschliessen. 

Fangen wir bei aktiv verwalteten Aktienfonds an. Hier bringt es der durchschnittliche Fonds auf eine Management Fee von 1,3 Prozent. Addiert man alle anderen laufend anfallenden Kosten hinzu, erhöht sich die Jahresgebühr auf 1,7 Prozent pro Jahr. Hinzu kommen durchschnittliche Handelskosten von 0,4 Prozent sowie eine Performance Fee von zuletzt 0,2 Prozent. Nimmt man alle Kostenkomponenten ohne Handelskosten zusammen, dann bringen es aktiv verwaltete Aktienfonds auf 1,7 Prozent an Gebühren. Inklusive Handelskosten erhöht sich die finale Gesamtkosten-Rechnung auf Representative Costs von 1,9 Prozent. Die Schlussrechnung ist bei aktiv verwalteten Aktienfonds also rund 45 Prozent höher als die blosse Management Fee. 

Das zeigt, dass mit Blick auf die Kosten Investoren in aktiv verwalteten Aktienfonds gleich dreifach im Nachteil sind. Die Management Fee von aktiv verwalteten Aktienfonds ist fast viermal höher als die von Indexfonds, die Handelskosten sind rund fünfmal höher, und Aktien-Indexfonds berechnen keine Performance Fee. In Summe kosten passive Aktienfonds in Europa nur 0,4 Prozent, verglichen mit 1,9 Prozent, die Anleger für aktiv verwaltete Aktienfonds im Schnitt berappen müssen. 

Das Bild ist bei Obligationenfonds ähnlich. Die laufenden Gebühren sind bei aktiv verwalteten Bondfonds gut viermal so hoch wie bei passiven Fonds. In Summe kommt der durchschnittliche aktiv verwaltete Bondfonds auf eine Management Fee von 0,7 Prozent und auf Representative Cost von 1,1 Prozent. Dem steht eine Management Fee von 0,2 Prozent bei Index-Bondfonds und Representative Cost von 0,3 Prozent gegenüber. 

Aktiv verwaltete Mischfonds und alternative Fonds sind ebenfalls deutlich teurer in der Gesamtkostenrechnung, als das die Management Fee suggeriert. 

Für Mischfonds zahlen Anleger eine Management Fee von jährlich 1,1 Prozent. In Summe kommen Mischfonds auf eine Representative Cost von 1,8 Prozent, ein Aufschlag von deutlich mehr als 50 Prozent. Das liegt vor allem an den Handelskosten und an der Performance Fees. Die wenigen Index-Mischfonds am europäischen Markt – ganze 34 Stück! – bringen es auf Representative Cost von 0,5 Prozent. 

Bei alternativen Fonds stehen relativ moderate Management Fees von 1,0 Prozent jährlich an. Die weiteren jährlich anfallenden Gebühren sowie die hohen Performance Fees von 0,4 Prozent und Handelskosten von durchschnittlich 0,5 Prozent führen allerdings zu Gesamtkosten von 2,2 Prozent. Das ist sehr viel für Fonds, die sich typischerweise gegen eine Cash-Benchmark messen. 

Das Standard-Argument der Fondsanbieter mit Blick auf die hohen Performance Fees lautet, dass der Performance Fee ja ein Erfolgserlebnis für den Anleger zugrunde liege. Rein sachlich gesehen ist diese Feststellung richtig. Ein Fonds muss seine Benchmark übertroffen haben, bevor Performance Fees fällig werden. Allerdings muss man wissen, dass die meisten alternativen Fonds eine Cash-Benchmark als Hurdle Rate für die Performance Fee verwenden, was nicht dem eingegangenen Marktrisiko der allermeisten dieser Produkte entspricht und insofern keine adäquate Messlatte für den Erfolg des Fondsmanagers darstellt.

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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