Soll ich in SPACs Investieren? (II)

Die Risiken und Chancen eines Investments in eine sehr modische Unternehmensstruktur. Im zweiten Teil unserer Mini-Serie erläutern wir die Post-IPO Ankündigungsphase vor dem Merger.

Dave Sekera, CFA 11.03.2021
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Technologie Symbolbild

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um in SPACs zu investieren, oder sollten Privatanleger die Finger davon lassen? Wie fast alles auf dieser Welt hängt es von mehreren Faktoren ab; in diesem Fall vom Timing, der Bewertung des Fusionsziels und der potenziellen Eigenkapitalverwässerung. 

In unserer dreiteiligen Mini-Serie gehen wir auf die Risiken und Chancen für Investoren in jeder Phase des Lebenszyklus eines SPACs ein. Im ersten Teil haben wir die Chancen und Risiken einer Beteiligung am IPO dargelegt, jetzt erläutern wir die Spezifika eines Investments nach dem IPO vor dem Merger. 

Nach dem Börsengang, aber vor der Bekanntgabe einer Fusionsvereinbarung, kann es sich lohnen, eine Position in einer SPAC-Einheit einzugehen - aber Investoren müssen vorsichtig aggieren und genau prüfen, was sie auf dem Sekundärmarkt vorfinden. Die Einheit wird normalerweise nach dem Börsengang aufgeteilt, und die Aktie und der Optionsschein können separat verkauft werden und haben unterschiedliche Renditeeigenschaften. Der Kauf der Aktie ohne den zugehörigen Optionsschein verringert das Aufwärtspotenzial erheblich.

Der Unit-Split bedeutet, dass:

Die Aktie und der Optionsschein müssen separat bewertet werden. Für jeden Betrag, mit dem der Anleger die Aktie über $10 kauft, würde diese Prämie verloren gehen, wenn der Anleger beschließt, bei der Ankündigung der Fusion sein Rückgaberecht auszuüben.

Der Versuch, den Optionsschein zu bewerten, ist bestenfalls eine Schätzung, da die Anleger noch nicht wissen, in was das SPAC investieren wird, wie viel es zahlen wird oder wie viel zusätzliche Eigenkapitalverwässerung anfallen wird. Die Optionsscheine werden typischerweise so ausgegeben, dass sie zwischen einer und einer halben Aktie ausübbar sind (d.h. es sind zwei Optionsscheine erforderlich, um eine Aktie zu kaufen), mit einem Ausübungspreis von $11,50 pro Aktie, einer fünfjährigen Laufzeit und einer Obergrenze von $18 pro Aktie.

Wie sieht nun das Chance-Risiko-Verhältnis aus?

Chancen des Aktien-Investments: Wenn die Fusion zu einer attraktiven Bewertung durchgeführt wird oder der öffentliche Markt das Unternehmen höher bewertet als der private Markt, wird die Aktie bis zur Sekundärmarktbewertung gehandelt.

Chancen des Optionsschein-Investments: Ähnlich wie beim Kauf einer Call-Option wird die Bewertung des Optionsscheins deutlich steigen, wenn der Aktienkurs steigt.

Risiko des Aktien-Investments: Jegliche Prämie, die über dem $10 IPO-Preis gezahlt wurde, geht verloren, wenn der Aktionär die Aktien am Ende wieder an die SPAC zurückgibt. Zum Beispiel werden die Aktien vieler SPACs vor der Fusion auf dem Sekundärmarkt zwischen $12 und $14 pro Aktie gehandelt. Wenn die Aktionäre bei Bekanntgabe eines Fusionsziels ihr Rückgaberecht ausüben und die Aktien an die SPAC zurückgeben, würden sie Verluste zwischen 15 % und 30 % erleiden. Oder, wenn die Aktionäre die Aktie durch die Fusion behalten, könnte die Aktie abverkauft werden, wenn der Fusionspreis zu hoch oder zu verwässernd ist.

Risiko des Optionsschein-Investments: Der Wert der Aktie steigt möglicherweise nicht in Richtung des Ausübungspreises des Optionsscheins, was bedeutet, dass der Wert des Optionsscheins mit der Zeit abnimmt, wenn sich der Verfallstermin nähert. Viele institutionelle Anleger halten ein Portfolio von Optionsscheinen unter der Annahme, dass einige wertlos verfallen, einige kostendeckend sind und einige wenige genug wert sind, um eine attraktive Rendite für den gesamten Optionsscheinkorb zu erzielen.

Und was passiert, wenn kein Merger stattfindet?

SPACs haben ein Zeitfenster von zwei Jahren, um ein Ziel zu finden, mit dem sie fusionieren können. Klappt das nicht, wird die SPAC am Ende dieses Zeitraums aufgelöst. Blickt man auf die Historie der SPACs seit dem Jahr 2020, dann dürfte dies kein ungewöhnliches Ereignis sein. Laut unserer Tochter Pitchbook dürften weniger als 30 % der SPACs von 2020 im Jahr 2021 eine Akquisition abschließen.

Bei der Gründung des SPACs werden die Erlöse aus dem Börsengang in einen Trust eingelegt und in kurzfristige Anleihen investiert. Bei der Auflösung des SPACs erhalten die IPO-Aktionäre ihren Anteil am Trust zurück, der dem anfänglichen Anteilspreis entsprechen soll. Bei der Auflösung werden die Optionsscheine annulliert. Somit gehen alle über ihre anteilige Ausschüttung hinaus gezahlten Prämien für Anteile und alle für die Optionsscheine gezahlten Beträge verloren.

In der nächsten Folge schildern wir die Chancen und Risiken von SPACs nach einem erfolgten Merger. 

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Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.

 

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Über den Autor

Dave Sekera, CFA  Dave Sekera, CFA, is chief U.S. market strategist for Morningstar.