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Ukraine: Was eine russische Invasion für die Märkte bedeuten könnte

Joe Biden hat erklärt, dass der Versuch, die Absichten von Wladimir Putin zu ergründen "wie Kaffeesatz-Leserei" sei. Die Folgen für die Märkte sind leichter zu verstehen

Lukas Strobl 26.01.2022
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Pair of Ukrainian combat aircraft in flight

Eine stetig steigende Zahl russischer Truppen an der ukrainischen Grenze, eine schärfer werdende Rhetorik und düstere Warnungen von Militäranalysten deuten allesamt auf eines hin: Die Ukraine steht am Rande eines Krieges, der die Kämpfe von 2014 an Umfang und Blutzoll in den Schatten stellen könnte.

Die Gefahr einer russischen Invasion der Ukraine hat russische Aktien bereits auf Talfahrt geschickt, ihre Auswirkungen auf globale Aktien und Rohstoffen fallen jedoch nicht so stark aus, wie mancher es erwarten würde. Hier erfahren Sie, wie sich ein Krieg auf Ihr Portfolio auswirken würde - und wie nicht.

 

 

Die Ölfrage

Die Ölpreise befinden sich in einem Höhenflug, aber bisher ist schwer zu sagen, ob die Situation in der Ukraine etwas damit zu tun hat. Die Nachfrage zieht an, während die Sorge über das Omikron-Virus nachlässt, aber: Die OPEC+-Mitglieder halten an bescheidenen, schrittweisen Produktionssteigerungen fest.

Sollte es tatsächlich zu einem Krieg kommen, wird sich das sicher in den Rohölpreisen niederschlagen. Morningstar-Stratege Allen Good ist der Ansicht, dass die zusätzliche geopolitische Risikoprämie in Verbindung mit den bestehenden Faktoren den Rohölpreis in Richtung 100 US-Dollar treiben könnte.

"Westliche Sanktionen könnten zu einer Neubewertung des geopolitischen Risikos führen, selbst wenn es keine greifbaren Probleme bei Angebot und Nachfrage gibt - was wahrscheinlich auch nicht der Fall sein wird", sagt er.

Westliche Energieaktien

Die Rückkehr einer geopolitischen Risikoprämie ist gut für globale Ölproduzenten. Westliche Ölkonzerne sind nur wenig in der russischen Ölproduktion involviert und daher sind nur wenige ihrer Vermögenswerte in Gefahr.

Sanktionen gegen russische Produzenten würden dagegen europäischen und US-amerikanischen Unternehmen zugutekommen, insbesondere denjenigen, die sich auf Rohöl konzentrieren. US-Giganten wie Chevron (CVX), Exxon (XOM) und ConocoPhillips (COP) könnten einen Vorsprung haben vor stärker diversifizierten europäischen Unternehmen wie Shell (RDSB), BP (BP) oder Total (TTE).

Gasversorger und Unternehmen, die von der umstrittenen Nord Stream 2-Pipeline betroffen sind, haben mehr zu befürchten. Erhöhte Gaspreise drücken auf die Margen von Versorgern wie der britischen Centrica (CNA) und von Gastransportunternehmen wie der italienischen Snam (SNAM SpA); beide Werte hinken in diesem Jahr hinter dem Markt zurück.

"Nord Stream 2 scheint ein naheliegendes Ziel, um Russland zu bestrafen", sagt Good. "Ein Krieg würde die Entschlossenheit der USA stärken, der Entwicklung der Pipeline ein Ende zu setzen, auch wenn die USA nicht viel gegen die Abhängigkeit Europas von russischem Gas unternehmen können.“ Uniper (UN01) aus Deutschland, OMV (OMV) aus Österreich und Engie (ENGI) aus Frankreich sind an dem Pipeline-Projekt beteiligt.

Russische Aktien in der Schusslinie

Eines ist offensichtlich: Aktien, die anfällig sind für westliche Sanktionen und mit ihren materiellen Vermögenswerten in der Schusslinie stehen, weil sie nah dran sind an dem Konflikt, sind auf dem Rückzug. Der russische Aktienindex MOEX fiel seit Anfang November um 20%, als Russland mit seinem zweiten Truppenaufmarsch an der Grenze begann.

Zu den größten Verlierern gehören russische Banken, die nun Gefahr laufen, von den globalen Kapitalmärkten abgeschnitten zu werden, wenn die Beziehungen zu den westlichen Staaten abreißen. Die Sberbank (SBRCY), Russlands größte Bank, brach seit Anfang November um 40% ein.

Russische Energieerzeuger haben sich dagegen besser entwickelt als der MOEX-Index, da die steigenden Rohstoffpreise die geopolitischen Risiken ausgleichen - Gazprom (OGZPY) und Rosneft (ROSN) fielen im Berichtszeitraum um jeweils etwa 15%.

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Über den Autor

Lukas Strobl  ist Editorial Manager für die EMEA-Region bei Morningstar.