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Wie man sich mit ETFs vor Verlusten schützen kann

Die Beliebtheit von Absolut-Return-Fonds zeigt, wie wichtig Anlegern die Verlustbegrenzung ist. Funktioniert diese auch mit ETFs?

Ben Johnson 08.07.2010
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Die Volatilität an den Finanzmärkten unterstreicht, wie unsicher die ökonomischen Aussichten sind. Vor diesem Hintergrund suchen Anleger nach Wegen, ihre Depots krisenfest zu machen.

Defensive Strategien können unterschiedliche Formen annehmen. Sie reichen vom Komplettverkauf aller Investments und der Geldhortung unter der Matratze - was 2008 und Anfang 2009 eine gern gewählte Variante war - bis zur aktuell sehr beliebten Flucht ins Gold. Es gibt aber auch andere, weniger drastische Wege, mit der herrschenden Unsicherheit und den Verlustrisiken umzugehen. Für langfristig orientierte Anleger geht es dabei vor allem darum, ein gut diversifiziertes Portfolio zusammenzustellen, das regelmäßig rebalanciert wird.

Die Verbreitung von transparenten, kostengünstigen und liquiden ETFs (börsengehandelten Indexfonds), die eine Vielzahl von Anlageklassen abdecken, macht dies einfacher denn je. Sie können auch als Bausteine in einem Portfolio mit Absolute-Return-Orientierung eingesetzt werden.  

Streuen
Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Korrelationen zwischen verschiedenen Anlageklassen in Extremsituationen gegen 1 laufen können. Über längerfristige Zeiträume sind sie jedoch deutlich geringer. Die breite Streuung des Anlagekapitals gemäß des individuellen Anlegerprofils kann daher helfen, die Volatilität eines Portfolios zu reduzieren.

Hier kommen ETFs ins Spiel. Relativ schnell lässt sich mit ihnen ein Depot zusammenstellen, das Aktien (z.B. basierend auf dem Stoxx 600), Anleihen, Kasse, Rohstoffe (z.B. Deutsche Bank Liquid Commodities Index) und auch alternative Assetklassen (z.B. db x-trackers DB Hedge Fund Index ETF) umfasst.

Rebalancieren
Die regelmäßige Rebalancierung ist der zweite Schritt in dieser Verlustbegrenzungsstrategie. Diese stellt eine adäquate Gewichtung einzelner Assetklassen im Zeitablauf sicher. Dabei werden in antizyklischer Manier die Gewinnbringer reduziert und Nachzügler aufgestockt.

Der Preis der Verlustbegrenzung
Der Schutz vor Verlusten ist nicht umsonst zu haben. Wer Volatilität wegdiversifiziert, schneidet sich auf der anderen Seite auch einen Teil des Gewinnpotentials ab. Wird der Anteil defensiver Investments (z.B. Staatsanleihen) erhöht, geht dies zu Lasten der potentiellen zukünftigen Rendite.

Alternative Strategien
ETFs, die auf inversen Indizes oder Optionsstrategien beruhen, können in stürmischen Märkten Schutz bieten. Man sollte sich aber über die Risiken und Kosten solcher Investments im Klaren sein.  

ETFs, die invers die Entwicklung eines Index abbilden (und teilweise auch gehebelt sind), scheinen eine sichere Sache zu sein. Sie bieten Zugang zu der (gehebelten) inversen Tagesrendite des jeweiligen Index. Dies funktioniert zumindest dann, wenn man einen Anlagehorizont hat, der heute beginnt und endet. Für eine längere Haltedauer ist dies aufgrund von Besonderheiten bei der ETF-Konstruktion nicht zwangsläufig der Fall, so dass die Performance des ETFs und die des zugrunde liegenden Index auseinanderlaufen können.

Eine Reihe von ETFs replizieren die Wertentwicklung von gängigen Optionsstrategien, die zur Risikobegrenzung oder Renditesteigerung dienen können. Der größte davon ist der Lyxor ETF Dow Jones Euro Stoxx 50 BuyWrite Fund, der die Indexanlage mit dem Verkauf einer Call-Option auf diesen Index verbindet. Die dabei generierten Prämieneinnahmen können renditesteigernd wirken (bzw. Verluste etwas abfedern), die Performance in steigenden Märkten wird aber nach oben begrenzt. 

Der Lyxor ETF’s DAXplus Protective Put zielt ebenfalls auf Verlustbegrenzung ab. Er bildet den DAXplus Protective Put Index nach. Dabei kombiniert er die Anlage in den DAX mit dem Kauf einer Put-Option. Dadurch wird das Potential nach oben nicht begrenzt, es entstehen aber Kosten in Höhe der Optionsprämie.

Was die Zukunft bringt
Das Angebot an ETFs wird weiter wachsen. Auf der Jagd nach größeren Marktanteilen werden die Anbieter von ETFs neue Produkte anbieten, die sowohl für die klassische Asset Allocation in Frage kommen als auch eher exotische Strategien beinhalten.  

Im Bereich Asset Allocation  hat db x-trackers den Portfolio Total Return Index ETF eingeführt, der Zugang zu einem global diversifizierten Portfolio aus Aktien und Anleihen bietet. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,72% ist er deutlich günstiger als der typische aktiv gemanagte Mischfonds, der eine TER von 1,7% aufweist. Weitere Asset-Allocation-ETFs dürften folgen.

Bei den exotischeren Strategien gibt es derzeit bei Long-Short-Rohstoff-ETFs eine Marktlücke. In den USA dagegen bildet Elements S&P CTI ETN den S&P’s Commodity Trends Indicator Index nach, der die Rollrenditen und das Momentum einer Vielzahl von börsengehandelten Rohstoff-Futures liefern soll. Rohstoffe haben in der Vergangenheit als Inflationsschutz gewirkt und die Korrelation zu Aktien lag nahe bei 0, wodurch sie sich zur Diversifizierung anbieten.  

Mittel zum Zweck
ETFs können als Bausteine für eine ausgewogene Portfoliozusammenstellung dienen. Auch eher exotische Strategien sind nun einem größeren Publikum zugänglich. Deren Komplexität und Kosten können ihre Vorteile in der Praxis jedoch überlagern.

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Über den Autor

Ben Johnson  Ben Johnson is Morningstar’s Director of European ETF Research.