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ETF-Sündenbock, Skandalhändler oder Mangel an Aufsicht?

Nach dem UBS-Handelsskandal geraten ETFs erneut ins Kreuzfeuer der Kritik. Verantwortlich waren aber Personen und nicht Anlageinstrumenten.

Ben Johnson 19.09.2011
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ETFs sind erneut in die Kritik geraten, nachdem letzte Woche bekannt wurde, dass ein Delta-One-Händler der UBS mit unautorisierten Handelsgeschäften Verluste in Höhe von 2 Mrd. US-Dollar verursacht hatte. Auf Details dazu warten wir noch, doch Schuldzuweisungen an ETFs ließen nicht lange auf sich warten.

Delta-One-Handelsgeschäfte befassen sich mit derivativen Instrumenten, die die Performance des zugrundeliegenden Basiswerts eins zu eins nachbilden. Zu diesen Instrumenten gehören Swaps, Futures, Forwards – und eben ETFs. Delta-One-Handelsabteilungen versuchen, mit Arbitragegeschäften Preisdifferenzen zwischen verschiedenen Instrumenten auszunutzen.

Im Fall der UBS ist der Fehler nicht im verwendeten Instrument begründet. Vielmehr liegt die Verantwortung bei den handelnden Personen. Zudem offenbart der Handelsskandal eher Mängel in der Risikokontrolle als ETF-spezifische Risiken. So erfuhr die UBS von den Verlusten nicht durch die eigenen Aufsichtssysteme, sondern erst nachdem der beschuldigte Händler Kweku Adoboli diese gemeldet hatte.

ETFs sind wie andere Finanzinstrumente auch mit inhärenten Risiken verbunden. Die Milliardenverluste bei der UBS entstanden aber aus einen Risiko, das nicht mit einem spezifischen Finanzinstrument zusammenhängt – dem Anlagerisiko. Eine schlechte Investmententscheidung wurde getroffen – nicht mehr und nicht weniger.

Dennoch ist es wichtig, die tatsächlichen Risiken zu verstehen, die mit Exchange-Traded-Products (ETPs) – wozu auch ETFs zählen – einhergehen. In dem Ausmaß, in dem die Verluste die finanzielle Verfassung der UBS beeinträchtigen, unterstreicht dieses Ereignis die realen und potenziell wachsenden Kontrahentenrisiken, die Teil der ETF-Struktur sein können. Dies lässt sich beispielsweise an den sich ausweitenden CDS-Spreads für diverse Banken ablesen, deren Tochtergesellschaften wiederum als große Anbieter synthetischer ETFs agieren.  

Mit diesem Thema haben wir uns schon mehrfach im Detail befasst. So erschien vor kurzem ein umfangreicher Bericht, in dem wir uns mit den Praktiken der größten europäischen Anbieter für synthetische ETFs auseinandersetzten. Dies geschah mit dem Ziel, die wesentlichen Risiken, Methoden zur Risikoreduzierung und die Vorteile synthetischer ETFs zu erklären. (Lesen Sie mehr dazu hier.) In Kürze erscheint eine vergleichbare Studie, die sich mit den Wertpapierleihegeschäften von Anbietern physischer ETFs befasst.

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Über den Autor

Ben Johnson  Ben Johnson is Morningstar’s Director of European ETF Research.