Bei den Schwaben gibt es den DAX zum Nulltarif

Der ComStage DAX ETF wird an der Stuttgarter Börse ohne Spread gehandelt. Derweil lässt der Swap-basierte DAX-ETF der Deutschen Bank sein physisches Pendant weit hinter sich. Der Morningstar ETF-Spread-Bericht.

Gordon Rose 22.02.2013

Letzte Woche herrschte in Deutschland noch fast Untergangsstimmung, nachdem bekannt wurde, dass die Wirtschaft im vierten Quartal 2012 unerwartet um 0,5% im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft war – Rezessionsängste machten die Runde. Nachdem der ZEW-Index jedoch unerwartet stark gestiegen ist, gilt das schwache Abschlussquartal 2012 eher als Ausrutscher. Das wichtige deutsche Konjunkturbarometer weist auf eine deutliche Erholung hin, und Finanzexperten sind so optimistisch wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Das Barometer für die Wirtschaftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten kletterte im Februar von 16,7 auf 48,2 Punkte. Ökonomen hatten nur einen Anstieg auf 35,0 Punkte erwartet.

Die positiven Zahlen lösten am Dienstag ein kleines Kursfeuerwerk aus, und der DAX kletterte über 7.700 Punkte. War das erst der Anfang oder nur ein Funke Hoffnung? Im weiteren Wochenverlauf ging es volatiler zur Sache: Der DAX pendelt seit Anfang des Jahres um die 7.700-Punkte-Marke. Wenn für Sie das Glas halb voll ist und Sie in deutsche Unternehmen investieren möchten, hilft unser wöchentlicher Spread-Bericht, die Kosten zu minimieren.

Die Management-Gebühren sind bei den ETF-Kosten das Eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Gerade bei illiquiden Märkten fallen häufig relativ hohe Kosten an. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese häufig übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).

Obwohl der DAX der deutsche Leitindex ist, gibt es insgesamt drei verschiedene Indizes auf deutsche Standardwerte.

Der DAX ist der König der Deutschland-Indizes

Zunächst zum DAX: Er umfasst die 30 größten Unternehmen, die an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Die Bewertung des Index basiert auf der Streubesitz-Markkapitalisierung und dem Handelsvolumen. Die maximale Gewichtung der einzelnen Unternehmen liegt bei 10%. Der DAX gehört zu den wenigen Leitindizes, die Performance-basiert sind. Das bedeutet, dass Dividenden nicht ausgeschüttet, sondern fortlaufend reinvestiert werden.

Verharrt im Halbschatten: Der MSCI Germany

Der MSCI Germany Index enthält ca. die 60 größten Unternehmen Deutschlands. Gewichtet werden die Wertpapiere ähnlich wie beim DAX nach der im Streubesitz befindlichen Marktkapitalisierung. Die maximale Gewichtung der einzelnen Unternehmen liegt auch bei 10%.

Outsider mit Hang zu Nebenwerten: Der F.A.Z. Index

Der F.A.Z. Index umfasst die 100 größten Unternehmen. Die Bewertung des Index basiert auf der Streubesitz-Markkapitalisierung. Der Marktwert der einzelnen Indexbestandteile muss mindestens €250 Millionen betragen. Beim Dax 30 und auch beim MSCI Germany handelt es sich um Indizes, die nur großkapitalisierte Werte umfassen. Deren Börsenwert liegt somit deutlich über der 250-Millionen-Euro-Grenze.

10 Produkte im Kampf um die Poleposition

Im Vergleich zu anderen Indizes liegen die Spreads der einzelnen Produkte relativ eng zusammen. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten ETF liegen lediglich 10 Basispunkte. In den 30 Handelstagen vom 10. Januar bis 20. Februar weist der Swap-basierte ComStage ETF DAX mit keinem Spread auf. Damit können Investoren den deutschen Leitindex quasi „für lau“ erwerben. Gleichzeitig bietet das Produkt der Commerzbank-Tochter die geringsten Management-Gebühren an. Interessant ist zudem, dass es sich einmal mehr nicht um das größte Produkt handelt. Mit einem verwalteten Vermögen von knapp über €600 Millionen ist der ComStage-ETF im Mittelfeld angesiedelt. Das physisch replizierende Pendant von ComStage ist an der Stuttgarter Börse mit einem Basispunkt nur unwesentlich teurer.

Tabelle: ComStage lässt auch bei den Spreads die Konkurrenz hinter sich 

Auf den weiteren Plätzen folgt Schritt für Schritt db X-trackers und Lyxor mit 2 Basispunkten und ETFlab und iShares mit jeweils 3 Basispunkten. Auf den letzten Plätzen befinden sich der Amundi ETF MSCI Germany und der ComStage ETF F.A.Z. Index mit jeweils 10 Basispunkten. Da diese Indizes weniger bekannt und daher nicht so gefragt sind und zudem einen größeren Teil des Marktes abdecken, sind die etwas weiteren Spreads wenig verwunderlich.

Während die zwei unterschiedlichen Replikationsmethoden bei ComStage vergleichbare Spreads aufweisen, ist der physisch Replizierende ETF von db X-trackers mit 6 Basispunkten hingegen merklich teurer als das Swap-basierte Produkt mit 2 Basispunkten. Immerhin verlangt die Deutsche-Bank-Tochter für beide Produkte identische Management-Gebühren. ComStage-Kunden müssen für das physisch replizierende Produkt hingegen 3 Basispunkte mehr zahlen.

Bei der Kostenanalyse sind die Unterschiede auf DAX-Produkte nicht sonderlich groß, da sowohl die Spreads mit 0 bis 6 Basispunkten als auch die Management-Gebühren zwischen 12 und 16 Basispunkten eng beieinander liegen.

 

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.