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ETF-Transparenz: Viele Wege führen nach Rom

Die Rendite und die Kosten sind für ETF-Anleger die entscheidenden Auswahlkriterien für ihre Investments. Doch wie misst man die Qualität der Indexprodukte? Morningstar hat eine Kennzahl entwickelt, welche die ETF-Kosten zusammenfasst.

Gordon Rose 06.09.2013

Die Kosten von Investmentfonds rücken nicht erst seit dem Verbot von Provisionen in Großbritannien immer mehr in den Vordergrund. ETF-Anbieter schmücken sich mit dem Nimbus, konkurrenzlos günstige Produkte anzubieten. Bei ETFs kommt es am Ende des Tages aber nicht nur auf die Kosten an. Viel wichtiger ist es, wie effizient der ETF den Referenzwert abbildet. Niedrige Kosten implizieren dabei nicht unbedingt eine effiziente Indexabbildung. Das Paradebeispiel hierfür ist der db x-trackers EURO STOXX 50 ETF, der zwar keine Management-Gebühren verlangt, bei der Performance aber relativ zur Peergroup eher Mittelmaß ist. Wir haben bereits in mehreren Artikeln über dieses Thema – Tracking Error, Tracking Difference, Kosten – gesprochen. Eine Ausführliche Studie zu diesem Thema finden Sie hier.

ETF-Branche sucht immer neue Belege für ihre Effizienz

Die ETF-Industrie ist stetig darum bemüht, neue Belege für ihre Effizienz zu präsentieren. Derzeit ist  insbesondere Lyxor auf der Marketing-Reise und bewirbt seinen so genannten ETF Efficiency Indicator. Diese Kennzahl umfasst die Tracking Difference, den Tracking Error und die Liquidität am Sekundärmarkt (also der Börse) in einer Zahl zusammen. Die Kennzahl soll es dem Investor ermöglichen, auf einen Blick die Performance des ETFs relativ zur Benchmark einschätzen zu können und so verschiedene Produkte miteinander zu vergleichen.

Wenig überraschend ist, dass nach dem Lyxor-Indikator die Produkte von Lyxor in den meisten Kategorien die effizientesten Produkte sind. Auch wenn man sich sicherlich nicht ein schlechtes Produkt schön rechnen kann, haften solchen Indikatoren, die von den Emittenten kreiiert und berechnet werden, immer auch ein Geschmäckle an. Der große Vorteil von Lyxor ist, dass er der einzige Anbieter ist, der einen solchen Indikator berechnet.

Wir bei Morningstar werden oft als unabhängiges Researchhaus zu solchen Themen angesprochen. Auch wir berechnen Kennzahlen zur Effizienz von ETFs und möchten heute einen dieser Indikatoren vorstellen. Ob dieser besser ist als andere Messsysteme am Markt, sei dahingestellt. Als neutrales Analysehaus wollen wir allerdings unseren Beitrag zu mehr Transparenz am ETF-Markt leisten.

Estimated Holding Cost

Es handelt sich bei dieser Kennzahl um den so genannten „Estimated Holding Cost”. Er misst die realisierte Performance des ETFs relativ zum Referenzindex nach allen Kosten – sowohl die ausgewiesenen als auch die nicht ausgewiesenen. Dieser Datenpunkt schätzt die zukünftige Rendite des Nettoinventarwerts relative zum Basiswert und isoliert somit Informationen der historischen Rendite.

Auf den Punkt gebracht: , Der „Estimated Holding Cost“ prognostiziert, wie genau der ETF den Index in Zukunft abbilden wird. Die größte Komponente bei der Berechnung sind natürlich die Management-Gebühren und - wie jede andere Kostenquote -  sollte auch diese Kennziffer daher positiv sein. Eine positive Zahl spiegelt die Underperformance des ETFs relativ zur Benchmark wieder. Eine geringe oder sogar negative Zahl ist ein Indiz dafür, dass der ETF besonders effizient ist und eventuell die Benchmark outperformt. Dies kommt vor allem bei ETFs auf den Euro Stoxx 50 Index vor, da sich die Annahme der Quellensteuer in der Indexberechnung und die tatsächlich gezahlte Steuer vom ETF unterscheiden.

Viele andere Datenanbieter messen den Tracking Error als die Standardabweichung zwischen der Rendite des ETFs und dem Index. Wir bei Morningstar schlüsseln diese Kennzahl jedoch in „Estimated Holding Costs“ und „Tracking Volatility“ auf. „Estimated Holding Costs“ misst die zu erwartende Abweichung vom ETF zum Index. Die Abweichung wird durch ausgewiesene und nicht ausgewiesene Kosten und Einnahmen beeinflusst. Hierzu zählen zum Bespiel Swap-Spreads, Quellensteuer und Wertpapierleihe. Tracking Volatility versucht hingegen die unvorhersehbaren Abweichungen vom ETF zum Index zu schätzen, die z.B. durch die Replikationsmethode entstehen.

Nachstehende Tabelle vergleicht die Management-Gebühren der zehn größten ETFs in Europa mit den „Estimated Holding Cost“.

 

Es wird schnell deutlich, dass die „Estimated Holding Cost“ mit den Management-Gebühren nichts zu tun haben. So bietet der  iShares DAX (DE) ein wesentlich effizienteres „Tracking“ als der gleich teure db x-trackers DAX ETF. Wie bereits oben erwähnt, sind ETFs auf den Euro Stoxx 50 Index eine Ausnahme und haben in den meisten Fällen negative „Estimated Holding Cost“.

In der nächsten Woche stellen wir einen weiteren von Morningstar berechneten Indikator vor, der die Qualität eines ETFs misst. Bleiben Sie also dran!

 

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.