Waffen-Diskussion in den USA betrifft auch heimische Portfolios

Nach dem jüngsten Massaker an einer Schule im US-Bundesstaat Florida spricht einiges dafür, dass Investoren dazu beitragen können, dass die Hersteller von Handfeuerwaffen unter Druck geraten. Doch vorerst bleiben die Aktien von Waffenherstellern mangels Alternativen in US-Nebenwertefonds vertreten.

Ali Masarwah 07.03.2018

Das Massaker an einer Schule im US-Bundesstaat Florida war nur das letzte in einer traurigen Serie. Mitte Februar hatte ein ehemaliger Schüler in Parkland 17 Menschen erschossen. Zunächst schienen die Geschehnisse nach dieser Tat demselben, fast schon zynisch zu nennenden Drehbuch zu folgen: Mahnwachen, Lippenbekenntnisse der Politik und Beschwichtigungen der Waffen-Fans und Waffen-Lobby. Doch dieses Verbrechen könnte Konsequenzen nach sich ziehen. Das dürfte weniger an den Initiativen der US-Politik liegen, die aus europäischer Perspektive teilweise grotesk anmuten (so wird überlegt, ein Programm zur Bewaffnung von Lehrern zu schaffen!), sondern an Initiativen aus der Gesellschaft -- und auch aus der Welt der Kapitalanlage. 

Wenige Wochen nach der Tat hat BlackRock, der größte Aktieninvestor in der Welt, angekündigt, nach Wegen zu suchen, um die Hersteller von Handfeuerwaffen und deren Vertriebe zu umgehen. Nun muss man wissen, dass das New Yorker Haus in seiner Eigenschaft als größter Indexfondsanbieter weltweit der wichtigste Einzelinvestor in derartigen Firmen ist. BlackRock- und iShares Portfolios halten zwischen zehn und 17 Prozent der Anteile an den drei größten US-Herstellern von Handfeuerwaffen: Sturm Ruger, American Outdoor Products und Vista Outdoor. 

Werden die Hersteller von Handfeuerwaffen künftig von Index-Trackern geächtet?

Es geht dem Marktführer gemäß Medienberichten in erster Linie offenbar um den Transfer von Fondsgeldern zwischen Indexprodukten, die diese Werte enthalten und neuen Indextrackern, die solche Firmen ausschließen sollen. Das erfordert die Schaffung neuer Indizes, da investierbare ESG-Konforme US Small Cap Barometer derzeit noch Mangelware sind. Das wäre auch dringend nötig. Laut unseren Daten existieren nur zwei als nachhaltig deklarierte Small Cap Indexfonds, die insgesamt nur 100 Millionen Euro auf die Waage bringen. Beide sind nur in den USA erhältlich. In Europa gibt es keine passive ESG-Alternativen zu den gängigen US-Nebenwerte-Indizes. 

Diese sich anbahnende Initiative ist ein weiteres Zeichen, dass ESG-konforme Investments den Nerv der Zeit und der Gesellschaft treffen --- und dass zugleich noch Luft nach oben ist mit Blick auf ESG-Alternativen zu konventionellen Produkten. Immerhin: Eine derart zeitnahe Reaktion der oft erschreckend apolitischen Welt der Kapitalanlage auf gesellschaftliche Ereignisse bzw. Exzesse hat es bisher selten gegeben. (Capital International, ein aktives Haus, das auch zu den Großinvestoren von US-Waffenherstellern zählt, hat Medienberichten zufolge auch reagiert und Sturm Ruger aufgefordert darüber aufzuklären, wie es „den sicheren Gebrauch (sic!) dieser Produkte“ sicherstellen wolle. Aber immerhin hat man sich dort bewegt.) 

Man darf gespannt sein, wie schnell die Indexanbieter neue ESG-Nebenwertebarometer berechnen und wie die Manager konventioneller Portfolios reagieren werden – und ob dann ein substanzieller Transfer von Fondsgeldern stattfinden wird. 

Anleger in US-Nebenwertefonds finden bei den Passiven keine Alternativen

Die Debatte hat übrigens auch eine europäische Dimension. Denn die Aktien der drei oben genannten Hersteller finden sich auch in typischen USA-Nebenwerteportfolios, die hierzulande angeboten werden. Dazu zählen aktive wie passive Vehikel gleichermaßen. Auch wenn es sich hier um minimale Positionen handelt, so zeigt die Tatsache, dass BlackRock deutlich mehr als zehn Prozent der Anteile an den drei größten Waffenherstellern insgesamt in seinen Portfolios hält, dass die Summe aus kleinen Bausteinen ein dicker Brocken sein kann. Und wer ESG-Investments ernst nimmt, der wird nicht einen Cent in derartige Aktien investieren wollen. 

Europäische Anleger, die Wert auf ESG-Kriterien legen, müssen allerdings zur Kenntnis nehmen, dass es nicht nur keine passive, sondern auch keine aktive Alternative zu konventionellen Produkten gibt. Alle USA-Nebenwerte-ETFs und andere -Indextracker enthalten Waffenhersteller wie Vista Outdoor, Sturm Ruger und American Outdoor Brands. Während es in den USA immerhin zehn Small Cap Fonds mit ESG-Mandat gibt, gibt es hierzulande keine derartigen Produkte. 

So lange die Anbieter von US-Nebenwerte-ETFs keine entsprechenden ESG-Filter mit den Indexanbietern ihres Vertrauens durchsetzen und aktive Manager keine Alternative bieten, können US-Nebenwerte-Investoren nicht ausschließen, dass sie ungewollt auf die Hersteller von Waffen setzen, die regelmäßig die Todeswerkzeuge von Amokläufern in den USA liefern. Oder sie vermeiden US Small Caps gänzlich, was aus Asset Allocation Sicht bedauerlich ist. 

Nachrichtlich finden Sie hier drei Fonds-Listen, welche die drei größten US-Handfeuerwaffenhersteller enthalten. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle aktiv verwalteten Fonds in der deutschsprachigen Region zum Vertrieb zugelassen sind.

Tabelle: Diese Fonds setzen auf American Outdoor Brands

Tabelle: Diese Fonds setzen auf Sturm Ruger

Tabelle: Diese Fonds setzen auf Vista Outdoor

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.