Die Morningstar Style Box für Obligationen wird erwachsen

Ab August werden die Eigenschaften von Obligationenfonds auf unseren Kalkulationen fussen und nicht länger umfragebasiert erhoben. Veränderte Datenerhebung für eine bessere Durchsicht bei Bond-Portfolios hat nicht nur Folgen für Morningstar Style Box. Eine Übersicht.

Ali Masarwah 17.05.2019
Facebook Twitter LinkedIn

Unsere Aktien-Style-Box zählt für viele Investoren zu den etablierten Formaten bei der Analyse von Aktienfonds. Denn sie ist gleichermassen einfach zu verstehen und basiert zugleich auf zuverlässigen Daten. Die Neun-Felder-Matrix zerlegt Aktienfonds nach den Faktoren „Growth“, „Value“, „Blend“ auf der X-Achse, und auf der Y-Achse werden die Portfolio-Komponenten nach der Marktkapitalisierung „Small“, „Mid“, „Large“ zerlegt. Dass das System so zuverlässig funktioniert, hängt auch damit zusammen, dass wir die zugrunde liegenden Aktien-Eigenschaften selbst kalkulieren und uns nicht auf die Angaben der Fondshäuser verlassen. 

Analog dazu haben wir auch auf der Bond-Seite eine Style Box, welche die wichtigen Eigenschaften von Bond Portfolios mit Blick auf Risiko-Rendite-Eigenschaften ermittelt. Auch hier handelt es sich um eine Neun-Felder-Matrix, wobei die entscheidenden Parameter hier das Kredit-Risiko (Y-Achse) sowie die Zinssensitivität (X-Achse) sind. Bisher basierten die Informationen zu den jeweiligen Rendite-Risiko-Parametern von Bondportfolios auf den Angaben der Produktanbieter. Das war nicht befriedigend, weshalb wir Änderungen bei der Erfassung und Verarbeitung von Bond-Holdings vorgenommen haben. 

Grafik: Die Morningstar Style Box für AnleihenFi style box

Zur Erinnerung: Hinter dem Kredit-Risiko steht die Wahrscheinlichkeit, dass der Emittent einer Anleihe in der Lage sein wird, seine Schulden zurückzuzahlen. Anleiheemittenten mit schlechter Bonität weisen ein höheres Ausfallrisiko aus. Aufgrund der Gefahr, dass diese nicht in der Lage sein werden, Zinszahlungen oder Tilgungen nachzukommen, müssen sie in der Regel höhere Renditen zahlen, um Investoren anzuziehen. Anleger müssen das mit einer Anleihe verbundene Kreditrisiko mit den potenziellen Auszahlungen im Zeitablauf abwägen. Auf der Y-Achse der Morningstar Style Box für Anleihen finden sich die drei Kreditqualitätsstufen „High“, „Medium“  und „Low“. 

Bei der Zinssensitivität geht es um die Auswirkungen, die von einem Anstieg der Zinssätze ausgehen. Grob gesagt fallen die Werte von Anleihen, wenn die Zinsen steigen. Die Sensitivität, mit der ein Bondfonds auf Zinsbewegungen reagiert, wird durch die Kennzahl „Duration“ ausgedrückt. Die Duration spiegelt die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer in einem festverzinslichen Wertpapier wider. So verliert, vereinfacht gesagt, der Wert eines Obligationenfonds mit einer mittleren effektiven Duration von fünf Jahren für jeden Prozentpunkt, den die Zinsen steigen, fünf Prozent seines Wertes. (Mehr zur Kennzahl Duration lesen Sie hier). Auf der X-Achse der Morningstar Style Box für Anleihen finden sich die drei Zinssensitivitätsstufen „Limited“, „Moderate“ und „Extensive“.  

Neue Realität bei der Bond-Analyse ab Ende Juli 

Eine gleichermassen granulare wie aktuelle Erhebung der relevanten Kennzahlen zu Kreditrisiken und Zinsrisiken sind also für die Güte der Analyse von Bond-Portfolios entscheidend. Diesbezüglich vollziehen wir per Anfang August einen wichtigen Schritt, der unsere Analyse-Tools für Fixed-Income-Investoren deutlich effektiver macht als bisher. Ab dann werden die Kredit- und Durations-Eigenschaften von Bond-Portfolios von uns berechnet und nicht länger umfragebasiert dargestellt. 

Die Berechnung der Rendite-Risiko-Parameter hängt dann nicht mehr von den Angaben der Fondsanbieter ab. Die Umstellung der Input-Seite von umfragebasiert auf berechnete Daten wird nicht nur die Qualität der Morningstar Style Box für Anleihen erhöhen, sondern eine wichtige Grundlage für die Erstellung weiterer Analysen zu den Eigenschaften von Bondportfolios darstellen. 

Wichtig ist diesbezüglich auch die Einführung eines 90 Prozent-Limits, wenn es um die Berechnung der Kredit- und Zinsrisiken geht. Liegen künftig zu weniger als 90 Prozent der Assets eines Bond-Portfolios Informationen zu Kredit- und Zinsänderungsrisiken vor, werden für den gesamten Fonds keine entsprechenden Rendite-Risiko-Kennziffern berechnet. 

Unverändert bleibt indes die Methode zur Erhebung des Kreditausfalls auf Portfolio-Ebene. Es wird nach wie die Konvexität der Default-Raten beim Übergang zwischen verschiedenen Rating-Stufen unterstellt und ein entsprechend gewichtetes Ausfallrisiko auf Fondsebene kalkuliert. Da arithmetisch ermittelte Durchschnittswerte von Credit Ratings auf Portfolio-Ebene die Ausfall-Risiken systematisch unterschätzen, unterstellen wir bereits seit geraumer Zeit einen exponentiellen Anstieg von Ausfall-Raten bei schlechteren Ratings. Diesen Effekt bzw. das Verhältnis zwischen Ausfall-Risiken und Rating-Stufen illustriert die untere Grafik. 

Grafik: Der Zusammenhang zwischen Kredit-Ratings und Ausfall-RisikenDefault und credit ratings

 

Hier finden Sie das ab 31. Juli gültige Methodologie-Papier zu Morningstar Bond Research.

Hier gelangen Sie zu einer FAQ-Liste zu unserer neuen Bond-Methodologie.

Facebook Twitter LinkedIn

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah war von 2011 bis Frühjahr 2021 als Chefredakteur für die deutschsprachigen Anleger Websites von Morningstar verantwortlich