Europas Anleger suchen im August (fast) nur sichere Häfen

Wachsende Unsicherheit und korrigierende Aktienmärkte prägen die Mittelflüsse in europäische Fonds im August. Der Morningstar Absatzbericht für Fonds.

Ali Masarwah 26.09.2019

Anleger haben im Zuge fallender Aktienmärkte im August verstärkt den sicheren Hafen von Geldmarktfonds gesucht. Auch Obligationenfonds wurden gesucht, wobei die Motive der Anleger hier nicht immer defensiver Natur gewesen sein dürften, da auch höher rentierlichen Kategorien gesucht waren. 

Aktienfonds verzeichneten im August Abflüsse in Höhe von 23 Milliarden Euro. Abgestoßen wurden vor allem Fonds aus Standardwerte-Kategorien – sowohl, was einzelne Länder (Japan, Deutschland, USA) auch Regionen anbelangt (Eurozone, Schwellenländer, Europa, Asien). (Bemerkenswert ist, dass Anleger durchaus bereit waren, selektiv ins Risiko zu gehen, wie die Zuflüsse in britische Standardwertefonds zeigen.) 

Geldmarktfonds, vor allem in Irland und Luxemburg aufgelegte Produkte, die typischerweise grenzüberschreitend vertrieben werden, verbuchten Zuflüsse von gut 47 Milliarden Euro, was zeigt, dass die Flucht in die Cash-Positionen ein pan-europäisches Phänomen war. Auch Gold-Produkte blieben gefragt. Knapp zwei Milliarden Euro steuerten im August Edelmetallfonds an. (Wegen der Abflüsse aus breit diversifizierten Rohstoffkörben beliefen sich die Zuflüsse auf Rohstoffprodukte insgesamt auf nur etwas über eine Milliarde Euro.) 

Bondfonds sammelten netto 26 Milliarden Euro ein, deutlich mehr als der Durchschnitt der zurückliegenden zwölf Monate, aber dennoch das niedrigste Niveau seit Februar dieses Jahres. Besonders gefragt waren diversifizierte US-Dollar und Euro-Bondfonds, derweil Schwellenländer-Fonds für lokale Währungen die höchsten Abflüsse in einem Monat seit November 2013 erlitten. Hier dürften die schlechten Nachrichten aus Argentinien eine Rolle gespielt haben. 

Mischfonds verbuchten eine positive Absatzbilanz, Dank der nachfragen EUR- und GBP-Kategorien. Für alternative Fonds war der August ein fast schon erfolgreicher Monat. Die Nettoabflüsse gingen auf 1,8 Milliarden Euro zurück, das niedrigste Niveau in einem Monat seit September 2018. 

Insgesamt verbuchten in Europa domizilierte Langfristfonds Zuflüsse von knapp drei Milliarden Euro. Dank der hohen Nachfrage nach Geldmarktfonds erhöhten sich die Zuflüsse in Publikumsfonds europaweit im August auf insgesamt gut 50 Milliarden Euro. 

Tabelle: Die Zuflüsse in europäische Publikumsfonds im August 2019

 

Das Geschehen auf dem europäischen Fondsmarkt nahm im August eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Wendung. Ein Blick auf die Vertriebsbilanz von Langfristfonds zeigt, dass Indexfonds Abflüsse von 5,6 Milliarden Euro hinnehmen mussten, derweil aktiv verwaltete Fonds Zuflüsse in Höhe von 8,3 Milliarden Euro verzeichneten. Das ist ein ungewohntes Bild.  Mit Abflüssen von 11,3 Milliarden Euro mussten Index-Aktienfonds die höchsten je gemessenen Mittelabflüsse in einem Monat hinnehmen (Morningstar sammelt in Europa seit Anfang 2007 die Mittelflussdaten in Publikumsfonds). 

Doch auf den zweiten Blick relativiert sich dieses düstere Bild ein wenig, da diese Zahlen vor allem durch großvolumige Umschichtungen im Wealth Management der UBS zustande kamen. So standen Abflüsse aus UBS Aktien-ETFs - vor allem aus globalen, Eurozonen- und Schwellenländer-Aktien-ETFs - von gut 8,3 Milliarden Euro spiegelbildlich Zuflüsse von 7,8 Milliarden Euro bei aktiv verwalteten UBS-Bondfonds gegenüber. Derartige Verschiebungen im globalen Vertriebsnetz der Schweizer Bank prägen häufiger die Mitteflussdaten europäisch domizilierter Fonds, bisher allerdings nicht in einem derartigen Umfang. 

Bond-Indexfonds sammelten netto 4,0 Milliarden Euro ein. Auf der Kaufliste von Investoren standen vor allem Fonds aus den Kategorien USD- und Euro-Staatsanleihen, aber auch USD Hochzins- und Investment-Grade Unternehmensanleihen. Verkauft wurden dagegen Fonds für Schwellenländer-Anleihen. 

Bei aktiv verwalteten Fonds stachen vor allem die Abflüsse von 11,6 Milliarden Euro aus Aktienprodukten ins Auge. Verkauft wurden vor allem Schwellenländer-Fonds sowie Aktienfonds für Eurozonen- und USA-Standardwerte. Gefragt waren dagegen aktiv verwaltete globale Standardwertefonds. 

Aktiv verwaltete Obligationenfonds sammelten netto mehr als 21,5 Milliarden Euro ein. Auch abzüglich des bereits oben angesprochenen „UBS-Sondereffekts“ war die Nachfrage deutlich positiv. Neben diversifizierten USD und EUR Bondfonds waren Euro-Kurzläufer sowie flexible Dollar-Bondfonds gefragt. Übrigens wurden auch auf der aktiven Seite Schwellenländer-Obligationen für lokale Währungen verkauft – der Argentinien-Effekt lässt grüßen! 

Die Zuflüsse in aktiv verwaltete Mischfonds von knapp EUR 1,7 Milliarden Euro gingen vor allem auf das Konto von GBP- und EUR-Mischfondskategorien. 

Die Abflüsse aus alternativen Fonds verlangsamten sich im August indes deutlich. Multistrategiefonds und Fonds aus der Kategorie „Equity Market Neutral“ hatten zwar erneut eine negative Absatzbilanz, mussten aber deutlich niedrigere Abflüsse hinnehmen als in den Monaten zuvor. 

Insgesamt belief sich der Marktanteil von Indexfonds am Markt für europäische Langfristfonds per Ende August auf 18,14 Prozent, ein Tick weniger als per Ende Juli. Gegenüber dem August 2018 stieg der Anteil der Indexfonds an europäischen Langfristfonds indes um gut 1,5 Prozentpunkte von 16,5 Prozent. 

Tabelle: Zuflüsse in ausgewählten Asset Klassen nach dem Aktiv-Passiv-SchemaIm zweiten Teil des Artikels beschäftigen wir uns mit den Zuflüssen nach Fondskategorie, der Absatzbilanz der Fondsanbieter und mit der Vertriebsbilanz der großen Fonds am Markt.

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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