Es gibt zwischenzeitlich technische Probleme bei der Nutzerregistrierung. Wir bedanken uns für Ihre Geduld, während wir das Problem beheben.

Wann sollten Sie eine Aktie verkaufen?

Die Antwort hängt ab von menschlichem Verhalten, vom Anlagestil und Ihren persönlichen Zielen.

Ian Tam, CFA 21.02.2022
Facebook Twitter LinkedIn

Road Divergence

Das alte Sprichwort "Kaufe niedrig. Verkaufe hoch" dient oft als sarkastische Antwort für Anleger, die Ratschläge zu Aktieninvestments suchen. Wenn wir das alle könnten, bräuchten wir keinen Aktienmarkt. Die Disziplin, eine Aktie zu verkaufen, wenn die entsprechenden Bedingungen erfüllt sind, ist in der Tat eines der schwierigsten Dinge beim Investieren. Warum aber ist es so schwer?

 

Unser Verhalten arbeitet gegen uns

Menschen sind im Allgemeinen anfällig für Voreingenommenheiten verschiedenster Art. Oft verleiten uns unsere Vorurteile dazu, schlechte finanzielle Entscheidungen zu treffen. Ein zweites Sprichwort sagt: "Irren ist menschlich. Vergeben ist göttlich". Leider sind Fehler beim Investieren nicht so leicht zu verzeihen, wenn wir unsere finanziellen Ziele erreichen wollen. Eine nützliche Übung vor jeder Anlageentscheidung kann sein, den Blick nach innen zu richten, um einige der Voreingenommenheiten zu erkennen, die Ihre Anlageentscheidungen beeinflussen, und diese durch einen objektiven Vergleich der Fakten zu umgehen.

Als Aktienanleger werden Sie beispielsweise unweigerlich mit einem Börsencrash konfrontiert werden. Ein weit verbreiteter Fehler, der als "Verlustaversion" bekannt ist, kann dazu führen, dass ein Anleger seine Positionen während eines Absturzes verkauft und seine Verluste realisiert und dann bei einer Erholung leer ausgeht. Ein weiterer häufig gemachter Fehler ist als "Confirmation Bias" bekannt, bei dem ein Anleger nach Informationen sucht, die seine vorgefertigte Meinung, seine Voreingenommenheiten bestätigen, und diese Informationen möglicherweise stärker gewichtet als jene, die seiner Ansicht widersprechen. Dies kann einen Anleger dazu verleiten, zu lange an einer Aktie festzuhalten.

Kurz gesagt: Voreingenommenheit ist kein Freund des Investierens. Der erste Schritt zum Erkennen von Vorurteilen ist ein wichtiger Schritt für einen disziplinierten Anleger. Danach gilt es zu erkennen, wie man investiert.

 

Beim Investieren gibt es verschiedene Ansätze

Wenn es um Aktieninvestments geht, gibt ein Sammelsurium von Ansätzen. Wenn Sie wissen, welcher Anlagestil Ihnen am meisten zusagt, können Sie eine Vorlage erstellen, mit der sie Gelegenheiten für Kauf und Verkauf bewerten. Die folgende Liste ist zwar nicht erschöpfend, aber sie unterscheidet drei Hauptstile:

1. Wertorientiertes Investieren: Ähnlich wie Morningstar bei der Bewertung von Aktien versuchen Value-Investoren, einer Aktie einen "fairen Wert" zuzuweisen, der oft auf einer Prognose zukünftiger Cashflows basiert. Anschließend verwenden sie ein Discounted-Cashflow-Modell, um zu schätzen, was die Aktie heute wert sein sollte. Für Value-Investoren ist ein vernünftiger Verkaufszeitpunkt dann gegeben, wenn der Kurs einer Aktie den geschätzten fairen Wert erreicht oder sich diesem nähert.

Es ist kein Zufall, dass das Morningstar Star Rating für Aktien genau so funktioniert. Ein unterbewertetes Unternehmen wird mit 5 Sternen bewertet, ein fair bewertetes Unternehmen mit 3 Sternen und ein überbewertetes Unternehmen mit 1 Stern.

Value-Investoren nutzen außerdem Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-, das Kurs-Umsatz-Verhältnis und andere als Maßstab, um festzustellen, ob eine Aktie zu einem angemessenen Multiplikator gehandelt wird im Vergleich zu anderen Aktien im Index oder einem bestimmten Sektor oder einer bestimmten Branche. In diesem Fall könnten Anleger einen Verkauf in Erwägung ziehen, wenn der Multiplikator einer Aktie viel höher ist als bei ähnlichen Unternehmen oder einem breiteren Universum wie etwa einem Index.

2. Wachstumsorientiertes Investieren: Growth-Investoren suchen nach Gelegenheiten mit dem Potenzial für schnelles Ertragswachstum. Im Gegensatz zu Value-Investoren ist es für Growth-Investoren völlig gleichgültig, was ein Unternehmen heute wert ist, sie konzentrieren sich vielmehr auf die Fähigkeit eines Unternehmens, in der Zukunft Gewinne zu erzielen.

In den letzten zehn Jahren war der Wachstumsstil vor allem deshalb so beliebt, weil der Technologiesektor stark anstieg, in dem Wachstumsaktien häufig vertreten sind. Investoren können das historische Gewinnwachstum eines Unternehmens, die Einschätzung der Analysten und die historische Rentabilität als Maßstab heranziehen und entscheiden, ob der aktuelle Wachstumspfad des Unternehmens weiterhin den Erwartungen entspricht. Wenn sich das fundamentale Wachstum verlangsamt, z. B. durch einen Bericht über entgangene Gewinne oder einen Abwärtstrend bei den Gewinnen, könnten Investoren erwägen, sich von einem Wachstumswert zu trennen.

3. Momentum-Investing und technische Analyse: Momentum-Investing ist das genaue Gegenteil fundamentalen Investierens und kann sowohl Growth als auch Value umfassen. Hier folgen Anleger den Trends in den Aktienkursen - ausgehend von der Theorie, dass der Markt effizient ist und alle Informationen schnell in den Kurs einer Aktie einfließen. Momentum-Anleger verlassen sich in der Regel auf Signale des Marktes, die darauf hinweisen, dass der Kurs einer Aktie den vorherigen Trend durchbrochen hat. Wenn beispielsweise der gleitende 50-Tage-Durchschnitt eines Aktienkurses unter den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt fällt, könnten Momentum-Anleger dies als Trendumkehr deuten, da die Aktienkurse in jüngerer Zeit niedriger sind als in der Vergangenheit.

Aber aufgepasst! Momentum-Investments sind nichts für schwache Nerven. Sie erfordern eine intensive Überwachung und in der Regel einen aktiven Handel im Portfolio.

 

Haben Sie einen Plan

Unabhängig davon, welchen Stil (oder welche Kombination von Stilen) Sie verwenden, es kommt darauf an, einen Plan für Ihre Investments zu haben. Überlegen Sie genau, ob die Bedingungen, die Sie zum Kauf einer Aktie bewogen haben, auch heute noch gelten. Ist das nicht der Fall, sollten Sie aussteigen. Das ist leichter gesagt als getan, aber wenn Sie das über einen längeren Zeitraum hinweg konsequent tun, werden Sie bessere Ergebnisse erzielen, als wenn Sie nur auf gut Glück handeln. Die Nutzung von Referenzpunkten in Form einer Tabelle, einer Finanzsoftware oder einfach mit Stift und Papier sind nützliche Hilfsmittel, um sicherzustellen, dass Sie regelmäßig objektiv vergleichen.

 

Das Leben kommt einem oft in die Quere

Ein weiterer Grund, sich von einer Anlage zu trennen, besteht dann, dass sich Ihre Lebensumstände ändern. Wenn Sie zum Beispiel das Geld für den Kauf eines Hauses oder für den Beginn Ihres Ruhestands benötigen, müssen Sie verkaufen. Es lohnt sich, bei der Entscheidung über den Kauf von Aktien auch an Veränderungen in Ihrem Leben zu denken - sei es zum jetzigen Zeitpunkt oder erst Jahre später.

Aktien haben von Natur aus ein größeres Kurspotenzial und bergen mehr Risiken als Anleihen. Die Abstimmung Ihrer Asset Allokation (Mischung aus Aktien und Anleihen) auf Ihr Risikoprofil und Ihren Anlagehorizont ist von entscheidender Bedeutung. So vermeiden Sie, eine Position mit Verlust verkaufen zu müssen, nur um dann festzustellen, dass Sie Ihre finanziellen Ziele nicht erreichen können.

 

STICHWÖRTER
Facebook Twitter LinkedIn

Über den Autor

Ian Tam, CFA  Ian Tam ist Director of Investment Research bei Morningstar Kanada.