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Ist der Börsengang von Porsche genauso sexy wie das Auto?

Jeder will einen Porsche in der Garage haben, aber gilt das auch für die Aktie im Depot? Das Unternehmen hat starke Umsätze erzielt und das Papier bietet Anlegern eine neue Möglichkeit, den Elektrofahrzeug-Boom zu nutzen. Schauen wir uns das genauer an. 

Sandy Ward 14.09.2022
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Porsche

Volkswagen, der umsatzstärkste Autohersteller der Welt und Muttergesellschaft von Porsche, setzt auf die Strahlkraft des Sportwagens. Der Börsengang wird voraussichtlich in den kommenden Wochen stattfinden. Die erwarteten Milliardenbeträge helfen beiden Unternehmen, sich für eine Zukunft mit Elektrofahrzeugen zu rüsten.

In dem derzeitig überaus schwierigen Marktumfeld hat Porsche Umsatz und Gewinn steigern können. 2021 hatte das Unternehmen ein hervorragendes Jahr, in dem erstmals mehr als 300.000 Autos verkauft wurden, und die Verkäufe der vollelektrischen Taycan-Modelle übertrafen die des klassischen Modells 911. Darauf folgte eine herausragende Performance in der ersten Hälfte dieses Jahres.

Nun hofft Volkswagen, dass Porsche auch im schwierigsten Markt für Börsengänge (Initial Public Offering, IPO) seit 30 Jahren gegen den Trend schwimmen kann.

„Es sollte dieses Jahr der bestimmende Börsengang auf dem Kontinent und in der Welt sein“, sagt Matt Kennedy, Senior Markets Strategist bei Renaissance Capital, ein Spezialist für Börsengänge und Manager des Renaissance (IPO) ETF.

"Es ist ein schwieriger Markt, aber das ist ein Kronjuwel, also werden wir sehen."

 

Werden Investoren auf die Porsche-Aktie springen?

Zwar ist die Marke ein starker Anziehungspunkt für Investoren ist, die nach großen, stabilen Unternehmen suchen, aber es gibt auch Bedenken.

Sorgen über eine weltweite Rezession lassen die Anleger ebenso ins Grübeln kommen wie fehlende Stimmrechte für Käufer der Neuemissionen. 

Volkswagen plant, Ende September oder Anfang Oktober 25% der stimmrechtslosen Vorzugsaktien von Porsche an der Frankfurter Börse anzubieten. Das Unternehmen warnte davor, dass der Abschluss des Angebots "vorbehaltlich weiterer Kapitalmarktentwicklungen" sein könnte.

 

Der Börsengang von Porsche soll E-Mobility finanzieren

Ein Teil der Erlöse aus dem Börsengang von Porsche wird dazu beitragen, den ehrgeizigen Fünfjahresplan von Volkswagen in Höhe von 50 Milliarden Euro für den Bau weiterer Batteriewerke zu finanzieren, während die Produktion von Elektrofahrzeugen hochgefahren wird.

Sollte das Angebot abgeschlossen werden, erwartet Volkswagen, im Dezember eine Sondersitzung abzuhalten, um die Zustimmung des Vorstands zur Zahlung einer einmaligen Sonderdividende zu erhalten. Diese sollte sich auf 49% des Erlöses aus dem Börsengang belaufen. Die Gelder würden Anfang 2023 ausgeschüttet werden.

Morningstar Senior Equity Analyst Richard Hilgert schätzt den Porsche-Börsengang auf 80 bis 100 Milliarden Euro, basierend auf einem Unternehmenswert des 8- bis 10-fachen des Gewinns vor Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA). Er geht davon aus, dass die Porsche-Beteiligung 19 Milliarden Euro einbringen könnte, wenn der Preis der Aktien hoch angesetzt wird.

Damit wäre es der größte deutsche Börsengang seit dem der Deutschen Telekom im Jahr 1996 (13 Milliarden US-Dollar). Der Börsengang des italienischen Energieunternehmens Enel im Jahr 1999 brachte 17 Milliarden US-Dollar ein und gilt derzeit als der größte europäische Börsengang aller Zeiten.

Im Vorfeld des Angebots hat Volkswagen die Kapitalstruktur von Porsche in zwei Aktienklassen umgestaltet: 50% Vorzugsaktien ohne Stimmrecht und 50% Stammaktien mit Stimmrecht. Volkswagen hat auch eine duale Aktienklassenstruktur mit 59% stimmberechtigten Stammaktien und 41% stimmrechtslosen Vorzugsaktien.

 

Porsche-Familie erobert prominentere Rolle zurück

Die Porsche-Erben werden über ihre Beteiligungsgesellschaft Porsche Automobil Holding bis zu 25% plus eine Aktie der stimmberechtigten Stammaktien zum Angebotspreis zuzüglich einer Prämie von 7,5% erhalten. Die Holdinggesellschaft erhält außerdem 25% der stimmrechtslosen Aktien.

Damit erhält die Holding einen Gesamtkapitalanteil von 25% an Porsche. Die mit dem Stimmrechtskapital verbundenen Sonderrechte würden es den Familienmitgliedern ermöglichen, Vorschläge zu blockieren.

Die Porsche Holding besitzt einen Anteil von 31,9% an Volkswagen, und Volkswagen besitzt wiederum ganz Porsche. Die geplante Sonderdividende hilft der Porsche Holding, den Erwerb der stimmberechtigten Aktien zu bezahlen.

Nach dem Börsengang wird Volkswagen weiterhin die Mehrheit der Vorzugs- und Stammaktien von Porsche halten.

13 Jahre nach dem erzwungenen Verkauf des Sportwagenherstellers an Volkswagen wird die Familie Porsche das 1931 von Ferdinand Porsche gegründete Unternehmen damit wieder stärker kontrollieren.

Die Vorgeschichte: Ein Versuch von Porsche, Volkswagen während der Finanzkrise von 2007 bis 2009 durch den heimlichen Aufbau einer Beteiligung mit Optionen und Derivaten zu kaufen, schlug fehl, als die Banken die Kreditlinien von Porsche zogen und keine weitere Finanzierung mehr möglich war.

Das Management von Volkswagen teilte Reportern zuletzt mit, dass die Qatar Investment Authority plant, einen Anteil von 4,99% auf dem freien Markt im Rahmen eines „Cornerstone Investment Agreement“ zu kaufen, unter dem der Investor vor dem Börsengang eine bestimmte Anzahl von Aktien im Voraus zeichnet. Katar ist einer der Großaktionäre von Volkswagen und hält 17% der stimmberechtigten Stammaktien.

 

Das Timing ist ein Problem beim Börsengang

Bei der Werbung für den Börsengang hat Volkswagen nicht die gleiche Präzisionstechnik an den Tag gelegt, für die seine eigenen Fahrzeuge berühmt geworden sind.

Am 24. Februar, dem Tag, an dem Russland in die Ukraine einmarschierte, gab Volkswagen erstmals bekannt, dass es den Börsengang von Porsche in Betracht zieht. Am 5. September, dem Tag, an dem Russland die Gaslieferungen nach Europa über die Nord Stream 1-Pipeline einstellte, gab das Unternehmen bekannt, dass es den Börsengang vorantreibt. Die Anleger haben daher den Zeitpunkt des Deals in Frage gestellt, da die globalen Märkte angesichts der steigenden Inflation und der sich abzeichnenden kriegsbedingten Energiekrise in Europa am Rande einer Rezession stehen.

Außerdem gibt es Bedenken hinsichtlich der Unternehmensführung. Porsche-Chef Oliver Blume übernahm am 1. September das Ruder bei Volkswagen, nachdem Herbert Diess entlassen worden war. Verzögerungen bei der Software-Tochter Cariad, die die Markteinführung von Modellen verzögerten, hatten Diess zum Rücktritt gezwungen. Porsche-Finanzvorstand Arno Antlitz ist nun auch Chief Operating Officer bei Volkswagen.

 "Wir glauben nicht, dass die Investoren die 'CEO-Verwässerung' mögen werden, während das Unternehmen versucht, sich von der Volkswagen AG zu emanzipieren", sagt AllianceBernstein Senior Research Analyst Daniel Roeska.

"Die Porsche AG hat ohnehin ein Problem mit sich überschneidenden Führungs- und Personalinteressen zwischen Volkswagen, der Porsche Holding SE und Porsche - die Überschneidung der Führungs- und Personalinteressen war eine der Hauptsorgen der Investoren im Hinblick auf den möglichen Börsengang."

"Wir haben Schwierigkeiten zu verstehen, wie die Aufteilung des Vorstandsvorsitzes zwischen der Porsche AG und der Volkswagen AG zum jetzigen Zeitpunkt eine gute Idee für Investoren in Volkswagen oder potenzielle Investoren in die Porsche AG sein soll."

Hilgert ist zwar ein Fan der von Volkswagen geplanten Sonderdividende und der Verwendung des IPO-Erlöses zur Finanzierung des Vorstoßes in die Elektromobilität, sagte aber, er sei besorgt über "den Zeitpunkt des IPO und die aktuelle Managementstruktur".

"Die Marktbewertungen im Automobilsektor wurden durch die Möglichkeit einer Rezession in wichtigen Märkten, die Chip-Knappheit, die Ukraine-Krise, höhere Rohstoffkosten, höhere Preise an den Zapfsäulen und anderen inflationären Kostendruck negativ beeinflusst", so Hilgert.

Er weist auch darauf hin, dass Blumes Doppelfunktion als Vorstandsvorsitzender beider Unternehmen "Bedenken hinsichtlich eines Interessenkonflikts aufwirft".

 

IPO sehr wahrscheinlich

Hilgert hält es dennoch für "sehr wahrscheinlich", dass der Börsengang zustande kommt. In Anbetracht dieses Ergebnisses senkt er seine Schätzung des fairen Wertes der Volkswagen-Aktie, um die 25%-ige Beteiligung von Porsche zu berücksichtigen, die keine Kontrolle ausübt.

Mit einem aktuellen Kurs von 18,53 US-Dollar werden die ADRs mit einem Abschlag von 44% auf seine revidierte Fair-Value-Schätzung von 33 USD gehandelt, und er hält das mit 5 Sternen bewertete Volkswagen-Papier für einen "überzeugenden Wert".

 

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Über den Autor

Sandy Ward  ist ein Redakteur für Kapitalmärkte bei Morningstar