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Growth-Comeback: War 2016 nur ein kurzer Frühling für Substanzwerte?

Im Februar haben in Europa Growth-Aktien einen Sprung nach vorne gemacht. Langjährige Anlegerlieblinge aus den Branchen Konsum und Pharma legen zu. Das Morningstar Marktbarometer für Europa im Februar.

Fernando Luque 06.03.2017

War die rasante Aufholjagd von Value-Aktien doch nur eine kurze Atempause auf dem Weg nach unten? Nachdem Wachstumswerte in Europa nunmehr einen zweiten Monat in Folge deutlich vor günstig bewerteten Substanzwerte-Aktien lagen, dürften etliche Beobachter die Augenbrauen nach oben ziehen. Im Februar lagen Growth-Aktien in Europa überwiegend vorn. Dies geht aus unserem Morningstar Markt Barometer für den Monat Februar hervor. Kapitalisierungsgewichtet legten Standardwerte Growth auf Euro-Basis um 4,3 Prozent zu, gefolgt von Mid-Cap Growth Titeln mit 4,2 Prozent. Nur im Small-Cap-Segment übertrafen Value-Aktien, die um 4,2 Prozent zulegten, ihre Growth-Pendants, die 3,7 Prozent stiegen. Blend-Aktien lagen mit der Ausnahme von kleinen Unternehmen ebenfalls überwiegend besser als Value-Aktien (aber deutlich hinter Growth-Titeln).

In unserem monatlichen Format zerlegen wir den Morningstar Europe Developed Markets Index kapitalgewichtet in die Bestandteile unserer Style Box, eine Neun-Felder-Matrix, die Aktien nach Grösse und nach Stil gliedert. Die Grafik lesen Sie von links oben nach rechts unten wie folgt: Das linke Quadrat oben zeigt die Style Box Performance für den vergangenen Monat, das rechte für das laufende Jahr, unten links sind die 12-Monats-Renditen abgetragen, unten rechts die kumulierten Dreijahres-Renditen. 

Die oberen beiden Quadrate signalisieren, dass 2017 mit einem Growth-Vorsprung gestartet ist. Die 12-Monats-Bilanz ist freilich noch ein Abbild des beeindruckenden Comebacks von Value in Europa im Jahr 2016. Doch dieser Stern verblasst, wenn man sich dem unteren Quadrat rechts zuwendet: Hier deuten die kumulierten Renditen an, dass mit Value seit Anfang 2014 insgesamt kein Staat zu machen war. Wohl und Wehe von Substanzaktien, die sich derzeit überwiegend in zyklischen Bereichen der Wirtschaft wiederfinden, dürfte an der Erholung der Konjunktur in Europa bzw. der Eurozone hängen.

Graphik: Das Morningstar Marktbarometer: Die Performance

Die grössten Performance-Beiträge bei Growth lieferten Aktien aus dem Bereich der defensiven Konsumgüter. Unilever legte etwa um knapp 20 Prozent zu, Heineken stiegen um 12,5 Prozent und Anheuser-Busch InBev um 7,4 Prozent. Health-Care-Aktien wie Nowartis und AstraZeneca stiegen auf Eurobasis um 8,4 Prozent bzw. 15 Prozent.

Im Value-Bereich waren vor allem französische Banken ein Hemmschuh für die Performance. Die Unsicherheit über den Ausgang der Wahlen belastete auch Banken wie BNP Paribas, Société Générale oder Crédit Agricole, die jeweils um rund sieben Prozent nachgaben.

Kommen wir nun zu den Bewertungen: Unser Marktbarometer misst auch die Bewertung des europäischen Aktienmarkts. Dabei verwenden wir unsere hauseigene Bewertungskennziffer Price/Fair Value, P/FV (auf Deutsch Kurs/Fair Value Verhältnis, K/FVV). Ein Wert von unter 1,0 signalisiert eine Unterbewertung, ein Wert grösser Null zeigt an, dass eine Aktie überbewertet ist, und K/FVV von 1,0 besagt, dass ein Unternehmen fair bewertet ist (lesen Sie hier mehr zu unserer Aktien-Research-Methodologie). Die per Saldo ordentliche Performance im Februar hat zu einem weiteren Anstieg der Bewertungen geführt. Wie die untere Grafik signalisiert, sind alle neu Felder unserer Matrix überbewertet. Am teuersten sind Mid-Cap Growth Aktien und Large-Cap Blend Titel, die ein Kurs/Fair Value Verhältnis von 1,08 bzw. 1,06 aufweisen.

Grafik: Das Morningstar Marktbarometer: Die Bewertungen

Ein Blick auf die Performance nach Sektor zeigt, dass Gesundheitsaktien mit einem durchschnittlichen Plus von 6,4 Prozent die höchste Performance erzielten, gefolgt von defensiven Konsumwerten (5,9 Prozent) und Technologieaktien (5,3 Prozent). Am schwächsten entwickelten sich Finanzaktien und Energietitel, die freilich mit einem Plus von 0,4 bzw. 0,5 Prozent im positiven Bereich blieben.

Grafik: Februar-Performance nach Branchen

Ungeachtet dieser Erholung bleiben Healthcare-Aktien mit einem K/FVV von 0,92 leicht unterbewertet, auch wenn sie nicht mehr die am günstigsten bewertete Branche stellten, wie das im Vormonat noch der Fall war. Nunmehr sind Telecoms mit einem K/FVV von 0,91 die günstigste Branche. Ungeachtet ihrer Underperformance im vergangenen Monat bleiben Rohstoff-Aktien mit einem K/FVV von 1,33 am höchsten bewertet, gefolgt von Technologie- und Industrieaktien mit einem durchschnittlichen Kurs/Fair Value Verhältnis von 1,17 bzw. 1,08. 

Grafik: Die Bewertungen nach Branchen per Ende Februar

 

 

Über den Autor Fernando Luque

Fernando Luque  es el Senior Financial Editor de www.morningstar.es