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Indexierung ist bei grossen Aktienkategorien zumeist Trumpf

Im zweiten Teil unseres Artikels zum grossen Indexierungstrend in Europa kommen wir zur Qualität der Indexfonds in den wichtigsten Aktienkategorien im deutschsprachigen Raum. Insgesamt ermutigende Bilanz, wobei der Teufel im Detail steckt.

Ali Masarwah 09.06.2017

Im ersten Teil unseres Artikels zum Indexierungstrend in Europa haben wir uns zehn Aktienkategorien vorgenommen, die besonders wichtig für Anleger im deutschsprachigen Raum sind. Anhand des organischen Wachstums haben wir festgestellt, dass Indexfonds seit 2013 in nahezu allen zehn Aktienkategorien deutlich dynamischer wachsen als aktiv verwaltete Fonds in den identischen Kategorien. Die Untersuchung umfasst ETFs sowie nichtbörsennotierte Indexfonds. 

Ob in den Kategorien Standardwerte global, USA, Europa, Schwellenländer, Japan, Dividenden, Asien-Pazifik oder Schweiz: Fast überall lagen Indexfonds beim Wachstum vorn. Nur bei deutschen Standardwertefonds fiel das Wachstum von Indexprodukten in drei der vier vergangenen Jahre niedriger aus als bei aktiv verwalteten Fonds (bzw. die Abflüsse waren bei Indexfonds signifikanter). Bei Eurozonen-Standardwerten war das organische Wachstum von Indexfonds 2016 signifikant schlechter als das der aktiv verwalteten Fonds. 

Wieviel Outperformance steckt hinter der Wachstumsstory? 

Wir haben einige Überlegungen angestellt über die Ursachen des überdurchschnittlichen Wachstums von Indexfonds in den meisten Kategorien bzw. warum das Wachstum bei deutschen und Euroland Indexfonds unterdurchschnittlich war. Dabei haben Fragen zu den Rahmenbedingungen des Fondsmarkts und der Akteure an diesem Markt aufgeworfen. Auch wenn in einigen Märkten wie in der Schweiz, Grossbritannien und den Niederlanden das Geschäftsmodell des provisionsbasierten Fondsvertriebs unter Druck gekommen ist, ist das nicht das ganze Bild. Wir widmen uns deshalb der der Frage, wie das Rendite-Risiko-Profil von Indexfonds in den thematisierten Kategorien seit 2013 ausgefallen ist. 

Kommen wir zunächst zur Bedeutung von Indexfonds in den zehn untersuchten Kategorien. Die überdurchschnittlichen Mittelzuflüsse haben dazu geführt, dass in den zehn betrachteten Kategorien Indexfonds inzwischen stark gewachsen ist, wie die untere Tabelle zeigt. 

Besonders gross ist die Bedeutung von Indexfonds bei Schweizer Standardwerten. In der Kategorie stecken bereits sechs von zehn Euro in Indexprodukten, wobei hier nichtbörsennotierte Fonds eine weitaus grössere Bedeutung haben. Auch USA-Standardwerte-Indexfonds machen rund 60 Prozent der Assets in der Kategorie aus.

Am anderen Ende der Skala machen global investierende Dividenden-Indexfonds nur gut drei Prozent der Assets der Kategorie aus, und mit einem Anteil von knapp 20 Prozent dominieren Asien-Pazifik-Indexfonds keinesfalls die Kategorie. Global anlegende Fonds werden ebenfalls noch von aktiv verwalteten Fonds dominiert, auch wenn der Indexfondsanteil hier bei rund 25 Prozent liegt, was angesichts der Grösse der Kategorie –sie kam auf ein Vermögen von gut 440 Milliarden Euro per Ende 2016 – dieser Indexanteil alles andere als trivial ist. 

Tabelle: Anteil Indexfonds an ausgewählten Aktienfondskategorien

 

Kommen wir nun zur Frage nach dem Rendite-Risiko-Profil der Indexfonds in dieser Kategorie. Um diese Frage zu beantworten, machen wir den Test und greifen dabei auf das Morningstar Sterne Rating zurück. Unser viel beachtetes Rating ist das Ergebnis einer quantitativen Analyse und hat das Ziel, die Vergangenheits-Performance vergleichbarer Fonds unter Berücksichtigung von Risiken zu bewerten. 

Zur Erinnerung: Ein Morningstar Sterne-Rating bekommt jeder Fonds, der einer homogenen Fondskategorie angehört und eine Historie von über drei Jahren aufweist. Die Ratings innerhalb einer Morningstar Fonds-Kategorie werden wie folgt verteilt: Die 10 Prozent der Fonds mit der besten risikoadjustierten Rendite bekommen fünf Sterne, die folgenden 22,5 Prozent erhalten vier, die mittleren 35 Prozent der Fonds drei, die nachfolgenden 22,5 Prozent zwei und die schlechtesten 10 Prozent der Fonds einer Morningstar-Kategorie werden mit einem Stern bewertet.

Die Untersuchung am Sterne-Ratings auszurichten, hat für Anleger den grossen Vorteil, dass sie auf einen Blick feststellen können, wie Indexfonds in der Vergangenheit relativ zu vergleichbaren (aktiven) Fonds abgeschnitten haben. Die meisten Morningstar Kategorien werden zahlenmässig von aktiv verwalteten Fonds dominiert. Besitzt ein Indexfonds ein Fünf- oder Vier-Sterne-Rating, dann hat er innerhalb seiner Kategorie -- und damit vorwiegend gegenüber aktiv verwalteten Fonds -- überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Ein Drei-Sterne-Rating impliziert, dass der Index-Tracker nicht aus der Masse der aktiven Fonds herausragt. Solche mit einem Ein- oder Zwei-Sterne-Rating gehören zum schlechtesten Drittel der Vergleichsfonds. Solche Indexfonds werden von den meisten aktiv verwalteten Fonds der Kategorie abgehängt.  

Wir haben bereits vor einigen Monaten in einem ähnlichen Test den Anteil der Indexfonds mit Vier- und Fünf-Sterne-Ratings in einigen ausgewählten Kategorien untersucht. (lesen Sie hier weiter). Im heutigen Test gehen wir anders vor und ermitteln das durchschnittliche Sterne-Rating von Indexfonds in den zehn oben genannten Kategorien und trennen in einem zweiten Schritt zwischen ETFs und nichtbörsen-notierten Indexfonds. Die heutige Untersuchung ist also granularer. 

Kommen wir zunächst zur Übersicht. Die untere Tabelle zeigt die Entwicklung des durchschnittlichen Sterne-Ratings der Indexfonds im Zeitverlauf. An vier Punkten zwischen 2013 und 2016 haben wir die durchschnittlichen Sterne-Ratings (gleichgewichtet) gemessen. Dabei haben wir auch die inzwischen liquidierten Indexfonds in der Aufstellung berücksichtigt, die seinerzeit noch am Markt waren. 

Tabelle: Das durchschnittliche Sterne-Rating von Indexfonds 2013-2016

Bereits auf den ersten Blick zeigt sich, wo sich die Indexierung gelohnt hat und wo eher nicht. Insgesamt dürften Indexfondsanleger in den zehn Kategorien überwiegend positive Erfahrungen gemacht haben. In sieben der zehn Kategorien weisen Indexfonds im Schnitt mehr als ein Drei-Sterne-Rating auf. 

Die beste Bilanz weisen globale Standardwerte-Indexfonds auf, die im Schnitt per Ende 2016 auf 4,31 Sterne kamen, aber auch längerfristig ein sehr gutes Rendite-Risiko-Profil aufweisen. Indexfonds, egal, ob ETFs oder nichtbörsennotierte Produkte, die den MSCI World abbilden, kommen durch die Bank auf Vier- oder Fünf-Sterne-Ratings. Das gilt auch für Abwandlungen wie etwa Produkte, die Schweizer Aktien ausschliessen und für den Schweizer Fondsmarkt typisch sind.

Diese sehr gute Bilanz geht zum grossen Teil auf das hohe Gewicht von US-Aktien zurück, die per Ende 2016 einen Anteil von rund 60 Prozent am MSCI World Index hatten. (Diese hohe Gewichtung wird in diesem Jahr übrigens keinen Rückenwind für Indextracker darstellen angesichts der deutlichen Outperformance europäischer Aktien per Ende Mai.) 

Ethisches Vorgehen kann der Performance zeitweilig schaden 

Übrigens zählten einige Nachhaltigkeits-Produkte zu den eher schwächeren Indexprodukten für globale Aktien. Etliche Indextracker auf Indizes mit der Bezeichnung „Ex ATGAF“ (das Akronym steht für Alcohol, Tobacco, Gambling, Armament und Firearms) kommen nur auf durchschnittliche Drei-Sterne-Ratings; Alkohol, Tabak, Waffen – man spricht hier von vielen defensiven Growth-Werten, die von hohen Markteintrittshürden profitieren und von einer stetigen Nachfrage, die weitgehend unabhängig ist vom konjunkturellen Auf und Ab. Auf solche Aktien zu verzichten kann ethisch motivierte Investments zeitweilig in der relativen Betrachtung schaden. 

Bei US-Standardwerten war die Indexierung der Assets bisher eine gute Wahl

Auch USA Standardwerte-Indexfonds kommen durchschnittlich auf knapp vier Sterne, ein ebenfalls langjähriger Trend. Auch hier gilt: Gegen Indexfonds, die den MSCI USA oder S&P 500 abbilden gibt es für die meisten aktiven Manager nichts zu holen. Die schwächste Bilanz erzielten SRI-Indextracker – nicht auf US Tabak- und Waffenhersteller zu setzen, hat der Performance in den vergangenen Jahren geschadet – sowie Produkte auf den DJ Industrial Average, eine Benchmark, die wegen der antiquierten Kurs-Gewichtung. Doch es gibt schlimmere Worst-Cases als ein Drei-Sterne-Rating, das diese Produkte halten. 

Auch Europa-Standardwerte-Indexfonds und Japan-Indexfonds kommen auf deutlich überdurchschnittliche Ratings. Bei Europa-Indexfonds fällt auf, dass nicht nur klassische Standardwerte-ETFs auf dem MSCI Europe oder STOXX 600 gut abschneiden, sondern dass sich auch etliche Strategic Beta ETFs mit sehr guten Ratings finden, sowohl bei Risiko- wie auch bei Rendite-orientierten Produkten. Bei Japan-ETFs fällt auf, dass Nikkei 225 Tracker zuletzt besser liefen als solche, die den MSCI Japan abbilden.

Eher gemischtes Bild bei Deutschland- und Euroland- Indextrackern 

Eher gemischt kommt die Bilanz der Eurozonen und Deutschland-Indexfonds daher, die im Schnitt auf 3,24 bzw. 3,25 Sterne kommen. Bei Eurozonen-Indexfonds haben einige Produkte auf Wachstums- und SRI-Indizes hervorragend abgeschnitten. MSCI EMU Tracker und Dividendenfonds gehörten ebenfalls zu den deutlich überdurchschnittlich guten Euroland-Produkten. Bestenfalls Durchschnitt waren indes viele Indexfonds, die den Euro Stoxx 50 abbilden, der eine konzentrierte Auswahl an Mega-Caps auf sich vereint. 

Bei Deutschland Indexfonds fielen etliche DAX-ETFs, vor allem jüngere Produkte, auf Drei-Sterne-Ratings zurück, während die älteren noch von einer besseren Langfrist-Historie zehrten und auf vier Sterne kommen. Grund hierfür ist die gute Rendite-Risiko-Bilanz über zehn Jahre, die sich in den letzten drei und fünf Jahren gegenüber aktiv verwalteten Produkten verschlechtert hat. DAX ex-Financials und DivDax Produkte sowie ein ETF auf den FAZ Index wiesen indes per Ende 2016 Vier-Sterne-Ratings auf. 

Bei Emerging Markets ist Passivierung eingeschränkt erfolgreich 

Leicht unterdurchschnittlich im Kategorievergleich schnitten zuletzt Indexfonds für Schwellenländer ab. Seit Ende 2015 kommen Sie im Schnitt auf unter 3,0 Sterne. Vor allem Dividenden-ETFs, aber auch fundamentalgewichtet Indizes wie etwa ETFs auf RAFI-Barometer, führten zur unterdurchschnittlichen Bilanz. Auch eine Ausprägung des Minimum Varianz Ansatzes, den das französische Haus Ossiam anwendet, zeigte ein schwaches Rendite-Risiko-Bild. 

Dass diese Ansätze allesamt dem Strategic Beta-Bereich zuzuordnen sind, also Produkte sind, die den Anspruch haben, das Rendite-Risiko-Profil von Standardbenchmarks zu optimieren, zeigt, wie wichtig eine gründliche Analyse dieser Spezialansätze ist. Die meisten Produkte auf dem MSCI Emerging Markets schnitten indes zumeist mit einem durchschnittlichen Drei-Sterne-Rating ab. 

Deutlich verschlechtert hat sich auch das Rendite-Risiko-Profil von Indexfonds der Kategorie Aktien Asien-Pazifik ex Japan, wo die Tracker des MSCI AC Pacific ex Japan Index per Ende 2016 nur noch ein Drei-Sterne-Rating aufweisen nach überwiegend vier Sternen drei Jahre zuvor. 

Das gilt auch für global anlegende Dividenden-Indexfonds. Diese Kategorie ist auf Indexfondsseite allerdings eine Spielwiese von ETFs – es finden sich nur börsennotierte Indexfonds. Immerhin kommen diese Produkte allesamt auf ein Drei-Sterne-Rating. 

Zum Abschluss unseres Artikels über Indexierungstrends wollen wir im letzten Teil einen genaueren Blick auf die Unterschiede zwischen ETFs und nichtbörsennotierten Indexfonds werfen: Wie fällt die Rendite-Risiko-Bilanz aus, und wie sind die Kosten jeweils gestaltet? 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.