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Wie aktiv verwaltete Schwellenländerfonds in China investieren

Eine Auswertung zeigt, dass aktiv verwaltete Schwellenländerfonds chinesische Aktien deutlich untergewichten. Entsprechend erschliessen die europäisch domizilierten Fonds auch das A-Segment chinesischer Aktien nur zögerlich. Eine Datenanalyse.

Ali Masarwah 05.07.2017

Wie wir bereits berichtet haben, werden chinesische Festlandsaktien ab 2018 Eingang in die globalen und regionalen MSCI Schwellenländer-Indizes finden. Ab Mai werden schrittweise 222 der Aktien, die in Shenzhen und Shanghai gelistet sind, in den MSCI Emerging Markets Index aufgenommen. Dieser Prozess vollzieht sich in homöopathischen Dosen: Bis August 2018 werden A-Aktien voraussichtlich nur 0,73 Prozent des MSCI Emerging Markets Index ausmachen. Im umfassenden globalen Aktien-Index MSCI ACWI wird die Quote bei nur 0,1 Prozent liegen. Das bringt uns zur Frage, wie es aktiv verwaltete Schwellenländerfonds heute mit chinesischen Festlandsaktien halten. Denn Fondsmanager können durch so genannte „Off-Benchmark“-Wetten ihren Überzeugungen Ausdruck verleihen und sind nicht sklavisch an ihre Benchmark gebunden. Haben sie ihre Chancen genutzt? 

Bereits im vergangenen Jahr hatten wir festgestellt, dass für aktiv verwaltete Schwellenländerfonds A-Aktien kein grosses Thema waren. Allerdings umfasste die Untersuchung seinerzeit alle aktiv verwaltete Schwellenländerfonds weltweit. Um die Relevanz für heimische Investoren stärker hervorzuheben, haben wir statt der marktbreiten globalen Untersuchung in der heutigen Untersuchung nur europäisch domizilierte Fonds miteinbezogen. Das Sample umfasst 883 aktiv verwaltete globale Schwellenländer-Aktienfonds, deren Portfolios wir auf ihren Anteil an A-Aktien-Anteil in den vergangenen drei Jahren abklopfen wollen. Dabei haben wir auch zwischenzeitlich vom Markt genommene Produkte inkludiert.

Doch bevor wir zur Untersuchung der A-Shares-Quoten kommen, wollen wir auf das Thema China-Aktien als Fondsinvestments generell zu sprechen kommen. (Zum Thema China-Aktien lesen Sie hier unser China-Aktien-Glossar). Bekanntlich spielen chinesische Aktien, die nicht in der Volksrepublik gelistet sind, bereits heute eine wichtige Rolle für Schwellenländer-Aktienanleger. Das Universum setzt sich im Wesentlichen aus Unternehmen zusammen, die ausserhalb Chinas, vor allem in Hongkong, gelistet sind. Der Leitindex MSCI Emerging Markets war per Ende April 2017 zu gut 27 Prozent in China-(Offshore-)Aktien investiert. Anleger in Indexfonds sind bei MSCI-Trackern (und auch anderen Indexfonds) naturgemäss vollumfänglich „dabei“. 

Dieses signifikante China-Gewicht wird indes nicht in den meisten aktiv verwalteten Fonds widergespiegelt. Per Ende April haben wir bei 354 global anlegende Schwellenländer-Aktienfonds eine China-Quote von nur 20,5 Prozent vorgefunden. Das entspricht einer Untergewichtung von 650 Basispunkten gegenüber dem MSCI-Index. Im März waren 391 erfasste Portfolios im Schmitt zu 630 Basispunkten gegenüber dem Index untergewichtet. Dabei variierte die China-Quote in den Fonds der Kategorie massiv, und zwar zwischen null und 47 Prozent. 

Es ist auffällig, dass aktive Fondsmanager in den vergangenen Jahren China Aktien relativ zur MSCI Benchmark sukzessive heruntergefahren haben. Die untere Grafik illustriert die relative Gewichtung von China-Aktien durch aktiv verwaltete Fonds seit dem Jahr 2012. Die Trendlinie der Monatsdaten zeigt eindeutig nach unten. Ursache hierfür dürfte die seit Jahren umgehende Befürchtung einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft sein, deren Wachstum sich deutlich abgeschwächt hat. Auch die Kapitalflucht aus China, die Abwertung des Renminbis und die exzessive Verschuldung in China haben in den vergangenen Jahren Anlegern immer wieder Anlass zur Sorge gegeben. Gelegentlich ist es auch zu panikartigen Verkäufen gekommen, die auch die globalen Märkte in Mitleidenschaft gezogen haben, so etwa im Spätsommer 2015. Das dürfte die Begeisterung der Fondsmanager für China-Aktien gedämpft haben. 

Grafik: Das relative Gewicht von China-Aktien in Schwellenländer-Fonds 2012-17

Kommen wir nun zu China-A-Aktien. Vor diesem Hintergrund überrascht nicht, dass aktive Fondsmanager nicht mit Euphorie auf die sukzessive Öffnung des chinesischen Festlandsmarktes reagiert haben. A-Shares wurden bisher nur in homöopathischen Dosen Schwellenländerfonds beigemischt. Per Ende März haben wir in 117 Fonds Festlandsaktien vorgefunden, per Ende April waren es 100, was noch ausstehenden Fonds-Daten geschuldet ist und insofern nicht als deutlichen Rückgang bewertet werden sollte. Im Schnitt belief sich die Gewichtung von A-Aktien März auf 1,95 Prozent, per Ende April waren es gut zwei Prozent. Das ist mehr als der Durchschnitt in den vergangenen fünf Jahren von 1,1 Prozent. 

Die untere Grafik zeigt, dass A-Aktien immer stärker berücksichtigt wurden. Auch die Zahl der Fonds, die auf A-Aktien setzen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. In der ersten Jahreshälfte 2012 waren nur rund 50 in Festlandsaktien engagiert. 

Grafik: Die Entwicklung der China-A-Quote in Schwellenländer-Fonds seit 2014

Insofern lässt sich abschliessend sagen, dass global anlegende Schwellenländerfonds nur selektiv von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, in chinesische Festlandsaktien zu investieren. Unsere frühere Untersuchung hat gezeigt, dass asiatisch domizilierten Fonds deutlich forscher vorgehen. (Produkte aus Taiwan bzw. Südkorea kommen in der Spitze auf A-Shares-Quoten von zwischen 30 und 50%!). A-Shares sind also am ehesten ein regional-spezifisches Investmentthema. Das wird sich im kommenden Jahr ändern. Mit der Integration des Festlands-Segments in den MSCI Emerging Markets und in den MSCI ACWI, der, anders als der MSCI World, auch in Schwellenländer enthält, werden A-Shares zum Repertoire vieler Fonds aufrücken, die bisher nicht in solche Aktien investiert haben. 

Allerdings sollten Anleger den künftigen Stellenwert von Festlandsaktien nicht überinterpretieren: Angesichts der Unsicherheit über die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft und den nach wie vor manifesten Corporate Governance Problemen chinesischer Unternehmen ist es unwahrscheinlich, dass die Manager aktiv verwalteter Fonds dieses Segment kurzfristig in signifikanter Weise erschliessen werden. Auch Schwellenländer-ETFs, die naturgemäss alle Veränderungen im MSCI Emerging Markets 1:1 nachvollziehen müssen, werden per Ende August 2018 aller Voraussicht nach eine Festlands-Aktienquote von unter einem Prozent aufweisen. Das ist eine sanfte Evolution und keinesfalls eine Revolution.

Europäischen Anleger, die in A-Shares investieren möchten, stehen also zwei Wege offen: Sie können sich für Produkte der Kategorie Aktie China A-Shares entscheiden, die ausschliesslich bzw. vorwiegend in Festlandsaktien investieren. Das ist ein Weg, der angesichts der Risiken dieses Segments nur für sehr breit aufgestellte Anlegerportfolios in Frage kommt, deren Investoren bereit sind, hohe Risiken einzugehen. 

Der zweite Weg, in A-Shares zu investieren, besteht darin, sich auf die Schwellenländerfonds zu konzentrieren, die A-Shares beimischen. Idealerweise sollten die Manager dieser Fonds bereits Erfahrungen mit dem Segment gemacht haben.

Übersicht zu unserer Reihe zu China-Festlands-Aktien

Einführung: China A-Aktien sind nunmehr reif für den Index

Hier gelangen Sie unserem China-Aktien-Glossar für Fondsinvestoren;

Hier gelangen Sie zu einer Übersicht zu breit investierenden Schwellenländer-Fonds, die auf A-Shares setzen.

Hier gelangen Sie zu einer Übersicht über die grössten Fonds der Kategorie Aktien China A-Shares (ETF und aktiv verwaltete Fonds)

Hier gelangen Sie zum Interview mit Wolfgang Fickus, Mitglied im Investment-Kommitee vom Emerging Markets Spezialisten Comgest. 

 

 

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.