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Europas Fondsindustrie steuert Rekordjahr an

Dank der extrem hohen Nachfrage nach Rentenfonds klingeln die Kassen bei Europas Fondsanbietern. Auch die Nachfrage nach Aktienfonds zeigt sich robust. Der Morningstar Fonds-Absatzbericht für den Monat November.

Ali Masarwah 11.01.2018

Trotz der nachlassenden Nachfrage nach Publikumsfonds im November deutet sich für Europas Asset Management Industrie ein Rekordjahr an. Per Ende November verbuchten Anlagefonds (ex ETFs) im vergangenen Jahr Nettozuflüsse von 664 Mrd. EUR. Langfristfonds verzeichneten dabei Neugelder in Höhe von 546 Mrd. Euro, deutlich über dem bisherigen Höchststand von 414 Mrd. Euro im Jahr 2014.

Auch wenn die Mittelflussdaten für Dezember noch ausstehen, kann man davon ausgehen, dass 2017 als das Jahr der Rentenfonds in Erinnerung bleiben wird -- trotz niedriger Renditen und Warnungen vor hohen Bewertungen. Die strukturelle Nachfrage nach festverzinslichen Produkten hat die Zuflüsse in diesem Jahr auf 270 Mrd. Euro anwachsen lassen.

Aktienfonds sahen in den ersten elf Monaten des Jahres eine robuste Nachfrage. Ihnen gingen 98 Mrd. Euro netto zu. 2017 wird damit voraussichtlich das beste Jahr für Aktienfonds (ex ETFs) seit 2013.

Der Nettoabsatz von Mischfonds überschritt zum 30. November die 120-Milliarden-Euro-Grenze und lag damit deutlich über dem Niveau des eher schwachen Vorjahres. Auch alternative Fonds dürften die Zuflüsse des Vorjahres übertreffen, werden allerdings voraussichtlich deutlich unter dem Niveau des Jahres 2015 bleiben, als diese Fonds Zuflüsse von 85 Milliarden Euro verbuchten.

Insgesamt haben Langfristfonds im bisherigen Jahresverlauf ein gesundes organisches Wachstum von acht Prozent erzielt, was vor allem auf die starken Zuflüsse in Rentenfonds zurückzuführen ist.

Tabelle: Mittelflüsse in Fonds (ex ETFs, ex Dachfonds) nach Asset Klasse

Globale flexible Anleihefonds standen auch im November ganz oben auf der Absatzliste nach Fondskategorie, und dies war wiederum der immensen Nachfrage nach dem PIMCO GIS Income geschuldet. Flexible Rentenfonds von BlackRock und J.P. Morgan waren ebenfalls Nutznießer des Anleger-Runs im November. Allerdings waren die Zuflüsse auf deutlich bescheidenerem Niveau als beim PIMCO-Flaggschiff.

Die heterogene Morningstar-Kategorie "Renten sonstige" verzeichnete Nettomittelzuflüsse von 4,2 Mrd. Euro. Diese spiegelt die hohe Nachfrage nach Fonds wider, die sich auf höherverzinsliche Anleihen konzentrieren, wie z.B. Senior Loans, und Hypothekenfonds, denen wir keine eigenen Kategorien zuweisen.

Die Rentenkategorie Euro-Kurzläufer war ein seltenes Beispiel dafür, dass Bond-Investoren auch einmal das Risiko im Portfolio herunterfahren. Ansonsten dominierte im November, wie auch im Verlauf des vergangenen Jahres, die hohe Nachfrage nach risikobehafteten Anlagen, was sich vor allem in den Zuflüssen bei Fonds für globale Emerging-Markets-Anleihen widerspiegelt.

Tabelle: Die Fondskategorien mit der höchsten Nachfrage im November

 

Kommen wir nun zu den ungeliebten Fondskategorien im November. Fonds für globale Aktien mussten Abflüsse von gut 2,1 Milliarden Euro hinnehmen. Nordea, SEB und Dankse Invest waren hier die größten Leidtragenden.

Ungeachtet des breiten Interesses an risikoreichen Bond-Anlagen mussten etliche Kategorien für Hochzinsanleihen hohe Abflüsse verkraften, was auf die Spread-Ausweitungen am US-Dollar-Markt zurückgehen dürfte, was wiederum Ängste vor einer signifikanteren Korrektur bei Anlegern auslöste.

US-Dollar Fonds trugen die Hauptlast der Anlegerflucht aus Hochzinsfonds mit Anteilsrückgaben im Umfang von knapp 2 Mrd. EUR. Das war der höchste Stand in einem Monat seit Mai 2016. Neuberger Berman, AXA IM und Muzinich mussten die höchsten Abflüsse hinnehmen. Auch global anlegende und Euroland Hochzins-Fonds wurden abgestoßen.

Nachdem die massiven Abflüsse der ersten beiden Quartale im dritten Quartal nachgelassen hatten, mussten USA Standardwerte-Aktienfonds im November erneut Rückgaben hinnehmen. Der Fidelity America musste ebenso bluten wie Fonds von der UBS- sowie State Street-Indexfonds.

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Abflüssen im November

PIMCO führte im November für einen weiteren Monat die Liste der Fondsanbieter mit den höchsten Zuflüssen an. Wie auch in den Vormonaten lag das an der extrem hohen Nachfrage nach dem PIMCO GIS Income, der Neugelder von 3,95 Mrd. EUR anzog, etwa 80 Prozent der Mittelzuflüsse von PIMCO in Europa insgesamt. Diese Nachfrage hat PIMCO zu einer der erfolgreichsten Gesellschaften bis Ende November gemacht.

Allerdings lag BlackRock per Ende November noch vor PIMCO, dank sehr hoher Zuflüsse, die im zweiten Quartal mehrere institutionelle BlackRock-Indexfonds ansteuerten. Im November hat BlackRock 2,8 Mrd. EUR an Nettomittelzuflüssen verbucht, von denen der Löwenanteil auf aktiv gemanagte Fonds entfiel, hauptsächlich auf Fonds für festverzinsliche Papiere, gefolgt von alternativen Fonds und Aktienfonds.

Amundi profitierte vor allem vom Vertrieb von Kurzläufer-Rentenfonds am französchen Markt. Alternative Multistrategie-Fonds von Pioneer erzielten ebenfalls starke Zuflüsse, ebenso wie der ausgewogene Mischfonds First Eagle Amundi Income Builder. Per Ende November belegte Amundi 2017 den dritten Platz unter den erfolgreichsten Anbietern von Publikumsfonds in Europa.

Tabelle: Die Fondsanbieter mit den höchsten Zuflüssen im November

 

Aufgrund der bereits erwähnten Rückgaben von Aktienfonds im skandinavischen Private-Banking-Vertrieb musste Nordea die höchsten Abflüsse unter den europäischen Anbietern von Publikumsfonds hinnehmen. Auch Fonds für Unternehmensanleihen und der Mischfonds Nordea Stable Return trugen zur negativen Absatzbilanz bei.

Storebrand, ein nordischer Fondsanbieter mit einer starken Basis in Norwegen und Schweden, verzeichnete Abflüsse aus globale Rentenfonds im Zielland Norwegen.

Die Abflüsse bei Carmignac gewannen im November an Dynamik. Netto-Rücknahmen von 1,1 Mrd. EUR waren der höchste Wert in einem Monat seit Mai 2014. Während der Kurzläufer-Bond-Fonds Carmignac Sécurité die Hauptlast der Abflüsse in den Vormonaten getragen hatte, gingen die Abflüsse im November vor allem auf das Konto des Mischfonds Carmignac Patrimoine.

Tabelle: Die Fondsanbieter mit den höchsten Abflüssen im November

Kommen wir zum Schluss zur Absatzbilanz der größten Publikumsfonds in Europa (ex Geldmarktfonds). Der flexible Rentenfonds PIMCO GIS Income, der ein Morningstar Analyst Rating „Silver“ hält, konnte auch im November die höchsten Mittelzuflüsse anziehen. Im Schnitt gingen dem Fonds 2017 in jedem Monat Zuflüsse von gut 3,5 Milliarden Euro zu. Der PIMCO GIS Income ist auch der erste Fonds in Europa, der jemals die 50-Milliarden-Euro-Marke überschreiten konnte. Zum 30. November belief sich das verwaltete Vermögen auf 58 Mrd. Euro. Im November waren die für Euro-Investoren währungsgesicherten Anteilsklassen am stärksten gefragt.

Auch der M&G Optimal Income, der ebenfalls ein „Silber“-Rating aufweist, verzeichnete weiterhin eine sehr hohe Nachfrage. Dabei trugen im November – wie auch im bisherigen Verlauf des Jahres 2017 – in der Eurozone ansässige Investoren maßgeblich zum Erfolg dieses Fonds bei. Indes mussten die Fondstranchen, die auf das britische Pfund lauten, im November Abflüsse hinnehmen.

Der mit „Bronze“ bewertete JPMorgan Global Income ist ein weiterer Beleg für die hohe Nachfrage nach Mischfonds am europäischen Fondsmarkt.

Das Flaggschiff des französischen Vermögensverwalters Carmignac Gestion, Carmignac Patrimoine, hatte indes einen rabenschwarzen Monat. November 2017 war der schlechteste Monat seit Mai 2014. Hierzu dürfte die schwache relative Performance beigetragen im vergangenen Jahr haben. Der mit „Bronze“ bewertete Fonds lag 2017 im 94. Perzentil der ausgewogenen Euro-Mischfonds.

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten europäischen Langfristfonds im November

 

 

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.