Dividenden-Indizes und Dividendenfonds: Eine Standortbestimmung

Im zweiten Teil unserer Dividendenserie werfen wir einen genaueren Blick auf die beiden Morningstar Kategorien für europäische und globale Dividendenfonds, schauen auf ihre Vergleichsindizes und analysieren die Positionierungen der Fonds mit Blick auf Sektor- und Länderebenen.  

Ali Masarwah 16.05.2018

In einem längeren Erklärstück haben wir in der vergangenen Woche zunächst die Funktion von Dividenden bzw. Ausschüttungen für Investoren beschrieben und dann eine Dividenden-Checkliste für Anleger zusammengestellt. Jetzt wollen wir uns der Fondsrealität annähern und auf die beiden Dividendenfonds-Kategorien zu sprechen kommen, die für kontinentaleuropäische Anleger relevant sind: globale und paneuropäische Dividendenfonds. Die dritte Morningstar Dividendenfonds-Kategorie, Fonds für britische Dividenden-Aktien, lassen wir mangels Relevanz aussen vor -- britische Aktien kommen als Teil der europäischen und globalen Fondskategorien ins Spiel. Das soll reichen, schliesslich dürfte kaum ein Investor im deutschsprachigen Raum auf britische Dividendenaktien setzen. 

Wir kontrastieren nun im Folgenden die Merkmale der beiden Kategorien – die übrigens aktiv verwaltete und Indexfonds zusammenbringen – mit den Markmalen der beiden Indizes, die wir als Kategorie-Benchmarks definiert haben: den MSCI World High Dividend Yield und den Europe High Dividend Yield. Sie finden die Basisdaten zu den Fondskategorien und ihren Indizes weiter unten in den Tabellen. 

Global anlegende Dividendenfonds verwalten knapp 96 Milliarden Euro

Kommen wir zunächst zu der Gruppe der global anlegenden Dividendenfonds, welche die grössere der beiden Kategorien darstellt. Hier finden sich 182 Fonds europaweit, in denen knapp 96 Milliarden Euro investiert sind. In den vergangenen fünf Jahren gingen diesen Fonds satte 26,7 Milliarden Euro an Nettomittelzuflüssen zu. Im Schnitt weisen die aktiven und passiv verwalten Fonds eine Ausschüttungsrendite von 2,45 Prozent (per Ende April) auf. Das klingt etwas mager und ist tatsächlich deutlich weniger als die Dividendenrendite des MSCI World High Dividend Yield, die bei knapp 3,9 Prozent liegt. Die Zahl kommt aber wieder ins Lot, wenn man bedenkt, dass diese Fonds im Schnitt Kosten von 1,5 Prozent aufweisen. Zum Vergleich: Der MSCI World Index wies per Ende April eine Dividendenrendite von 2,4 Prozent auf. 

Die Kategorie Aktien Dividenden Europa ist kleiner. In 103 Fonds stecken 28,8 Milliarden Euro per Ende April. In den vergangenen fünf Jahren beliefen sich die Nettomittelzuflüsse auf 11,9 Milliarden Euro. Die Dividendenrendite im europäischen Dividendenuniversum ist deutlich höher als im globalen: Der Index MSCI Europe High Dividend Yield wies per Ende April eine Dividendenrendite von gut 5,2 Prozent auf. Der Standardwerte-Index MSCI Europe bringt es auch auf beachtliche 3,4 Prozent. Europäische Dividendenfonds wiesen per Ende April dagegen eine Fondsrendite von durchschnittlich 2,6 Prozent aus. Hier ist nur ein Teil des Unterschieds zwischen Indexrendite und Fondsrendite anhand der Gebühren erklärbar, die sich in dieser Kategorie ebenfalls im Schnitt auf knapp 1,5 Prozent belaufen. 

An dieser Stelle kommen wir zu einem typischen Merkmal aktiv verwalteter Dividendenfonds, die in beiden Kategorie ihre passiven Pendants zahlenmässig übertreffen und daher prägend sind für die Merkmale der beiden Kategorien (nicht nur mit Blick auf die Fondskosten). Bei vielen aktiv Strategien werden Dividenden vorwiegend als eine Art Qualitätsfilter eingesetzt. Fondsmanager setzen nur zum Teil auf die Dividendenkönige, da hier typischerweise höhere Risiken vermutet werden. 

Fondsmanager setzen typischerweise auf stabile Dividendenzahler

Anders formuliert: Unternehmen, die eine jahrelange Historie gleichbleibender oder sogar stetig steigender Dividendenzahlungen aufweisen, haben in der Regel stabile Geschäftsmodelle und haben Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz. Die stabilen Cashflows ermöglichen es den Unternehmen die Dividenden zu finanzieren und teilweise auch stetig zu steigern. Das lieben Investoren, weshalb sie die Rendite drücken. Auch viele Fondsmanager nehmen die tieferen Dividendenrenditen in Kauf, weil ihnen die Stabilität der Dividende lieber ist als die Dividendenrenditen zu maximieren. Das erklärt, warum viele Fonds deutlich weniger ausschütten als der Index, der ein gnadenloser Dividendenmaximierer ist. 

Wir hatten im ersten Teil unserer Dividendenserie bereits hervorgehoben, dass Dividendenindizes nicht zwangsläufig auf der Risiko- noch auf der Renditeseite überzeugen müssen. So lag der MSCI World Index in den vergangenen zehn Jahren mit einem Plus von 8,2 Prozent pro Jahr (in Euro gerechnet) deutlich vor dem MSCI World High Dividend Yield, der um knapp sieben Prozent zulegte. 

Doch das Bild sieht auf Fondsebene anders aus. Die grösstenteils aktiv verwalteten Dividendenfonds schützten das Anlegergeld während der Finanzkrise deutlich besser als die Vergleichsindizes. So waren die Drawdowns beim globalen Dividendenindex in den vergangenen zehn Jahren mit knapp 60 Prozent deutlich höher als beim durchschnittlichen global anlegenden Dividendenfonds, der zwischen 2008 und 2018 maximal 54 Prozent verlor. 

Ähnlich das Bild in Europa: Während der MSCI Europe High Dividend Yield knapp 65 Prozent verlor, büssten die Fonds der Kategorie Aktien Europa dividendenorientiert 59 Prozent in der Spitze ein. Interessanterweise lagen damit die Fonds mit Blick auf das Risiko näher an den Standardwerteindizes MSCI World bzw. MSCI Europe. 

Anders sah es indes bei der Performance aus. Hier konnte der MSCI World High Dividend Yield zwischen 2008 und 2018 mit einem jährlichen Plus von 3,75 Prozent die Fonds der globalen Dividendenkategorie pro Jahr 100 Basispunkte übertreffen. In Europa lag der MSCI Europe High Dividend Yield in den vergangenen zehn Jahren pro Jahr 55 Basispunkte vor den grösstenteils aktiv verwalteten Fonds. Das verwundert nicht, da die haussierenden Märkte seit 2009 vieles wieder wettgemacht haben. Die typischerweise defensiveren Ansätze der Fondsmanager wurden in den vergangenen neun Jahren nicht belohnt. Näheres zum Rendite-Risiko-Profil finden Sie in der unteren Tabelle.  

Tabelle: Das Rendite-Risikoprofil von Dividendenfonds

Kommen wir nun zu den Sektoren- und Ländergewichtungen. Setzen wir zunächst oberhalb der Sektorebene an. Zunächst die Feststellung, dass die Fonds in der globalen Dividendenkategorie deutlich von der Struktur des MSCI-Dividendenindex abweichen. Während dieser zu knapp 40 Prozent aus defensiven Werten besteht, machen in Dividendenfonds defensive Aktien nur 28 Prozent des Portfolio-Gewichts aus. Entsprechend sind zyklische Aktien mit gut 37 Prozent in den überwiegend aktiv verwalteten Fonds deutlich höher gewichtet als im Index, wo sie knapp 30 Prozent ausmachen. (Zinssensitive Unternehmen, die dazwischen fallen, machen sind im Index und in den Fonds jeweils zu rund 32 Prozent vertreten.) 

Vergleichen wir die global anlegenden Dividendenfonds mit herkömmlichen globalen Fonds bzw. dem MSCI World, so lässt sich feststellen, dass Dividendenfonds zwar einen grösseren Anteil an defensiven Werten enthalten, aber dafür auch einen hohen Anteil an zyklischen Unternehmen aufweisen, was eher der Struktur des MSCI World bzw. der herkömmlichen global anlegenden Fonds entspricht. 

Auf Ebene der Einzelsektoren fällt auf, dass global anlegende Dividendenfonds weitaus weniger stark bei Versorgern unterwegs sind, als das im MSCI World High Dividend Yield der Fall ist. Auch Healthcare-Aktien und defensive Konsumgüterhersteller sind im Index stärker vertreten. Demgegenüber gewichten die global anlegenden Dividendenfonds Finanzaktien, zyklische Konsumwerte und Technologietitel deutlich stärker. 

Bei Europäischen Dividendenfonds fällt auf den ersten Blick auf, dass zyklische Aktien im Schnitt um zwölf Punkte gegenüber dem Index untergewichtet sind. Anders als der globale Dividendenindex weist der europäische Dividenden-Index ein sehr viel stärkeres Gewicht in Finanzaktien auf – 33 Prozent! Europäische Dividendenfonds sind hier deutlich weniger stark unterwegs. Auch zyklische Konsumaktien sind in europäischen Fonds deutlich untergewichtet gegenüber dem MSCI Europe High Dividend Yield. All das bewirkt eine deutlich defensivere Aufstellung bei den Fonds.

Die größten Übergewichtungen finden sich bei den europäischen Dividendenfonds in den Sektoren Technologie, Industrials, und Energie, wie aus der unteren Tabelle hervorgeht. 

Tabelle: Die Sektorengewichtungen bei Dividendenfonds

Abschliessend ein Blick auf die wichtigsten Ländergewichtungen. Dass der globale Dividendenindex das mit Abstand höchste Gewicht in US-Aktien aufweist, ist wenig erstaunlich. Allerdings ist der Anteil an US-Aktien mit 49 Prozent deutlich geringer als das im MSCI World der Fall ist, wo es zehn Punkte mehr sind. Auffällig ist auch, dass Schweizer Aktien, die im MSCI World nur drei Prozent ausmachen, im MSCI World High Dividend Yield mit 9,3 Prozent gewichtet sind und damit an zweiter Stelle kommen. Aktien aus Grossbritannien folgen mit einem Gewicht von 7,6 Prozent. 

Global investierende Dividendenfonds weichen von diesen Schwerpunkten deutlich ab. Während US-Aktien mit 37,3 Prozent um gut zehn Punkte weniger stark vertreten sind als im Index, sind britische Aktien mit 13,6 Prozent in Fonds deutlich überrepräsentiert. Schweizer Aktien machen indes nur gut fünf Prozent aus. Der Grund ist relativ einfach erklärbar: US-Aktien sind in globalen Fondsvehikeln, die für den europäischen Markt gedacht sind, im Vergleich zum Index regelmässig unterrepräsentiert. Indes bewirkt die Income-Tradition in Grossbritannien, dass globale Dividendenfonds dort viel häufiger aufgelegt werden als im übrigen Europa. Und da britische Fondsmanager einen Home-Bias pflegen, sind UK-Aktien in den globalen Fonds über- und Schweiz-Aktien im Vergleich zum Index deutlich untergewichtet. 

Anders sieht es aus bei europäischen Dividendenfonds aus. Hier sind britische Aktien die Top-Länderposition mit einem durchschnittlichen Anteil von (immer noch sehr hohen) 22,5 Prozent. Damit sind sie indes deutlich weniger stark vertreten als im Index, wo UK-Aktien fast 40 Prozent ausmachen. Aktien aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich sind in den Fonds gegenüber dem Index deutlich übergewichtet. 

Ein Erklärungsversuch: Die Mehrzahl der europäischen Fonds am Markt richten sich kontinentaleuropäische Investoren. Fonds für den britischen Markt sind in diesem Segment also unterrepräsentiert. Und da jeder Fondsmanager seinen Home-Bias pflegt, gewichten die überwiegend kontinentaleuropäisch handelnden Fondsmanager britische Aktien deutlich unter! (Sie erinnern sich: Es gibt die dritte Dividendenfonds-Kategorie, die nur auf britische Aktien setzt; das ist die Kategorie, in der sich fast nur britische Investoren tummeln.) 

Tabelle:  Die Ländergewichtungen in Dividendenfonds

Ab jetzt wird getrennt, was bisher zusammen gehörte. In der nächsten Woche stellen wir einige empfehlenswerte aktiv verwaltete Dividendenfonds sowie die grössten Dividenden-ETFs am Markt vor.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.