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Was sind die Unterschiede zwischen ETP, ETF und ETN?

Handbuch Teil I

Gordon Rose 26.05.2011

Investoren haben es schwer, mit den unzähligen Abkürzungen in der  Finanzliteratur Schritt zu halten. Manchmal scheint es so, als ob jedes neue Produkt zwei neue Abkürzungen hinzufügt. Die Welt der ETFs ist hierbei keine Ausnahme und genau hier liegt bereits das erste Missverständnis. ETFs bzw. börsengehandelte Indexfonds sind nicht der Sammelbegriff dieser Produktklasse, sondern eher eine spezielle Form dieser Gattung.

In Teil I dieses Handbuchs werde ich eine grobe Übersicht über die einzelnen Exchange Traded Products (ETPs) geben. Die weiteren Kapitel dieses Handbuchs, welche in den kommenden Wochen erscheinen, werden einen detaillierteren Einblick in die verschiedenen Produktklassen geben, mit der Zielsetzung den Leser bei seiner Anlageentscheidung zu unterstützen.

Exchange Traded Products (ETP):

ETPs werde am besten als Investmentprodukte definiert, welche an der Börse notiert sind und wie Aktien gehandelt werden. Es handelt sich hierbei um passive Investments, mit der Zielsetzung die Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Index so exakt wie möglich abzubilden. ETPs handeln normalerweise nahe an ihrem Nettoinventarwert.

Manchmal werden ETPs auch als Exchange Traded Vehicles (ETV) bezeichnet.

Obwohl jeder ETP-Anbieter eine etwas andere Definition bevorzugt, tendieren sowohl die Branchen also auch die Medien dazu, ETFs und ETPs als ein und denselben Begriff zu verwenden. Daher ist es für Anleger sehr wichtig zu verstehen, welche Definition der jeweilige Anbieter genau benutzt.

Exchange Traded Funds

ETFs entsprechen den UCITS-Richtlinien und bilden normalerweise die Wertentwicklung eines Aktienindex oder eines Index für festverzinsliche Wertpapieren ab. Um ihr Investmentziel zu erreichen, können ETF-Anbieter den Index entweder physisch abbilden oder dies mit Hilfe einer synthetischen Replikation erzielen.  

Die physische Replikation kann entweder als volle Replikation oder mit Hilfe des so genannten optimierten Sampling-Ansatzes durchgeführt werden. Das Sampling-Verfahren ist üblich für Indizes mit einer großen Anzahl von Unternehmen. In diesem Fall investiert der Anbieter nur in eine repräsentative Auswahl der Indexbestandteile, die ein sehr ähnliches Rendite-Risiko-Profil wie der Basisindex haben.

Bei der synthetischen Replikation schließt der Anbieter einen Swap mit einem oder mehreren Swap-Kontrahenten ab. Der Swap-Kontrahent verpflichtet sich, die Performance des Index gegen die Rendite eines zuvor festgelegten Aktienkorbes zu tauschen. Die synthetische Replikation reduziert normalerweise die Kosten und die Abweichung vom Zielindex (Tracking Error). Gleichzeitig erhöht diese Struktur jedoch auch das Kontrahentenrisiko. Für schwer zugängliche Märkte hat die synthetische Replikation jedoch einen Vorteil gegenüber der physischen Nachbildung.  

Exchange Traded Commodities / Currencies

ETCs sind den ETFs sehr ähnlich. Sie bilden jedoch die Wertentwicklung des Rohstoffmarktes mit Hilfe der physischen Replikation oder mit Terminkontrakten ab, um ihr Investmentziel zu erreichen. Darüber hinaus sind ETCs nicht UCITS-konform. Für einige Rohstoffe ist eine physische Abbildung jedoch nicht praktikabel (z.B. können Agrarprodukte nicht über Jahre hinweg gelagert werden). Wenn eine Aufbewahrung jedoch möglich ist, müssen diese Kosten gegen die Roll-Over-Kosten eines Terminkontraktes abgewogen werden.

ETCs sind vollständig durch Einlagen abgesichert, wodurch das Kontrahentenrisiko egalisiert werden kann. Der Hauptunterschied zwischen ETFs und ETCs ist, dass letztere Schuldverschreibungen sind und nicht Fonds.

Genauso wie Exchange Traded Commodities sind Exchange Traded Currencies abgesicherte Schuldverschreibungen. Sie bieten ein Engagement in Währungen und sind nicht UCITS-konform.

Exchange Traded Notes

Generell sind ETNs börsengehandelte Wertpapiere in Form einer Schuldverschreibung einer Bank, die an der Börse gehandelt werden. Es handelt sich hierbei nicht um forderungsbesicherte Wertpapiere. Die zeichnende Bank erklärt sich einverstanden, bei Fälligkeit den Ertrag des Index, abzüglich Gebühren, zu zahlen. Folglich gehen Investoren dieses Produktes ein Kreditrisiko der Bank ein.

Es gibt jedoch zwei verschiedene Modelle, nämlich besicherte und unbesicherte ETNs. Besicherte ETNs sind teilweise bzw. vollständig gegen das Kontrahentenrisiko abgesichert, wohingegen unbesicherte ETNs dem Kontrahentenrisiko komplett ausgesetzt sind.

Anleger sollten daher sicherstellen, dass sie das komplette Risikospektrum dieser Produkte verstehen bevor sie investieren.

Der zweite Teil dieses Handbuchs analysiert ETFs etwas genauer. Wir werden dabei speziell die verschiedenen Strukturen – insbesondere die synthetische Replikation – durchleuchten und hervorheben was Anleger bezüglich des Kontrahentenrisikos und der Sicherheiten besonders beachten sollten.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.