So handeln Sie wie ein Profi!

4 einfache Kauf- und Verkaufsregeln für ETFs.

Gordon Rose 16.04.2012

In unseren Analysen zu einzelnen ETFs klopfen wir regelmäßig Produkte nach 3 Kriterien ab, die Sie als Anleger (hoffentlich) zum richtigen ETF führen (lesen Sie hier mehr). Da aber nicht nur die Auswahl des richtigen ETFs für eine erfolgreiche Anlage von Bedeutung ist, sondern auch die Handelskosten, liefert dieser Artikel* eine Anleitung, wie man in kürzester Zeit ETFs wie ein Profi handelt. Sie müssen nur 4 Schritte beachten. Beherzigen Sie diese einfachen Handelsregeln und Sie werden Ihren ETF zu einem besseren Preis kaufen oder verkaufen als die meisten Ihrer Kollegen und Bekannten. Geringere Handelskosten spiegeln sich letztendlich auch in einer besseren Rendite wider!

1. Den Nettoinventarwert (NIW) im Auge behalten

Ein ETF ist ein Wertpapierkorb und daher nicht mehr oder weniger wert als die Summe der einzelnen Bestandteile. Man spricht vom Nettoinventarwert des ETFs (NIW). Doch wie läuft der ETF-Handel in der Praxis? Market Maker sorgen mit einem Arbitragemechanismus dafür, dass ETFs möglichst nahe am NIW gehandelt werden. Ein Kursabschlag auf den Basiswert ermöglicht dem Market Maker, ETFs zu kaufen und im Gegenzug den zugrundeliegenden Wertpapierkorb zu verkaufen (und dabei einen Gewinn einzustreichen). Bei einem Kursaufschlag werden hingegen ETF-Anteile verkauft und die zugrundeliegenden Wertpapiere gekauft. Das dadurch entstehende Angebot und die Nachfrage bringen den Marktpreis des ETFs mit dem Wert der zugrunde liegenden Wertpapiere in Einklang. Auch sogenannte Authorised Participants  sorgen durch den so genannten Creation/Redemption-Prozess dafür, dass der Marktpreis des ETFs nicht zu stark vom NIW abweicht.

Der Arbitragemechanismus ist jedoch nicht perfekt. Market Maker benötigen etwas Zeit, um einen neuen ETF am Markt zu etablieren. Aber auch etablierte ETFs mit einem geringen Handelsvolumen können leichte Auf- oder Abschläge aufweisen. Daher ist es wichtig, dass Sie den NIW mit dem Marktpreis vergleichen, bevor Sie kaufen oder verkaufen. Dadurch stellen Sie sicher, dass ein fairer Preis für die Anlage erzielt wird. Der indikative Intraday-NIW, eine Schätzung des ETF NIW während des Handelstages, wird während des gesamten Handelstages veröffentlicht und ist bei Ihrem Broker oder auf Börse-Websites zu finden.

In seltenen Fällen kann der NIW bei stark gehandelten ETFs vom Börsenkurs abweichen. Dies kommt jedoch nur in Zeiten großer Marktunsicherheiten vor, wenn der Kurs von illiquiden Anleihen oder Aktien nicht verfügbar ist oder verzerrt wird. Wer dann dennoch handeln will, muss sich das Verhalten des ETFs, der gehandelt werden soll, im Tagesverlauf genau anzuschauen. Weist der ETF immer noch große Handelsvolumina auf, macht der Kurs bei keinem Handel großen Sprünge und ist die Geld-Brief-Spanne (siehe nächsten Abschnitt) ziemlich eng, dann ist der Börsenkurs wahrscheinlich ein besserer Indikator für den wahren Wert des Portfolios als der NIW. Dann ist es unproblematisch, mit dem Kauf oder Verkauf fortzufahren.

2. Die Geld-Brief-Spanne nicht vergessen

Im nächsten Schritt sollten Sie die Geld-Brief-Spanne des ETFs überprüfen. Genauso wie beim Auf- und Abschlag gilt: je kleiner, desto besser. Dies stellt nicht nur sicher, dass Sie den ETF möglichst nah am NIW handeln, sondern hilft auch, Ihre Handelskosten auf ein Minimum zu beschränken. Die Geld-Brief-Spanne ist der eigentliche Grund, warum Market Maker überhaupt Liquidität für ETFs stellen. Market Maker verkaufen ETFs zu einem etwas höheren Preis, als sie sie kaufen und streichen dadurch einen kleinen Gewinn mit wenig Risiko ein.

Da die Geld-Brief-Spanne normalerweise in Cents gemessen wird, verdienen Market Maker ihr Geld mit hohen Handelsvolumina. Daher haben sehr liquide ETFs normalerweise eine engere Geld-Brief-Spanne als weniger liquide Produkte. Es gibt jedoch keine Faustregel, die besagt, wann die Spanne zu groß ist, da dies unter anderem vom ETF selbst, der Marktvolatilität, den Handelvolumina und der Geld-Brief-Spanne der Indexbestandteile abhängt. Für die am meisten gehandelten ETFs, wie z.B. Produkte auf den EURO STOXX 50 Index, wird die Spanne generell in Cents gemessen. Im Gegensatz dazu, kann die Spanne für weniger liquide Produkte einige Prozentpunkte betragen. Die Geld-Brief-Spanne können Sie bei Ihrem Broker erfragen. Ist diese zu weit, sollten Sie nicht Handeln.

3. Benutzen Sie Limit-Aufträge

Ein Limitauftrag legt den Maximalpreis fest, zu dem Sie zu handeln bereit sind. Was ist aber der Sinn von solchen Limit-Aufträgen? Sollte der ETF zum NIW oder in der Nähe handeln und eine geringe Geld-Brief-Spanne aufweisen, können Sie problemlos zu einem vernünftigen Preis handeln. Dies trifft zwar in den meisten Fällen zu, ein Limit-Auftrag ist jedoch ein einfacher und effektiver Weg, sich gegen ungewöhnliche Preisentwicklungen zu schützen.

Zum Beispiel könnte man erwarten, dass eine Markt-Kauforder für 200 Aktien zum Briefkurs Ihres Brokers ausgeführt wird. Sollte der Briefkurs jedoch nur für 50 Aktien gelten, wird der Rest Ihres Auftrages zum nächst verfügbaren (meist höheren) Briefkurs ausgeführt. Die Geld-Brief-Spanne spiegelt die Kauf- und Verkaufsaufträge wider, die am nächsten zum Marktpreis sind. Sie geben aber keine Auskünfte über die Tiefe des Auftragsbuches. Ein Limitauftrag schützt Sie also davor, mehr als einen vorbestimmten Preis zu zahlen (bzw. bei Verkaufsaufträgen weniger zu bekommen) und macht es gleichzeitig wahrscheinlicher, dass Ihr Auftrag zu einem besseren Preis ausgeführt wird als Sie angegeben haben.

Mit ein bisschen Glück können Sie Ihren Auftrag sogar innerhalb der Geld-Brief-Spanne ausführen und damit Ihre Handelskosten minimieren. Außerdem können Sie mit einem Limitauftrag von einem Auf- oder Abschlag zum NIW profitieren. Bedenken Sie immer: Im Vergleich zu einer Marktorder besteht bei einem Limitauftrag das Risiko, dass der Auftrag nicht durchgeführt wird. Zwar sollte dies kein Problem in liquiden Märkten sein, Sie laufen jedoch in sehr volatilen Märkten die Gefahr, dass der ETF gegen Sie läuft und Ihr Limitauftrag nie ausgeführt wird.

4. Achten Sie auf die Gepflogenheiten im Handel

Generell ist es am besten, ETFs eher in der Mitte des Börsentages zu handeln, anstatt bei Markteröffnung oder gegen Handelsschluss. Die Geld-Brief-Spanne ist zumeist bei Markteröffnung am größten. Market Maker warten zumeist ab, wie die Indexbestandteile gehandelt werden, bevor sie ein genaues Bild vom NIW des ETFs liefern. Gegen Ende des Handeltages kann es auch öfters recht hektisch zugehen, insbesondere bei volatilen Märkten. Da viele der europäischen ETFs Wertpapiere aus verschiedenen Zeitzonen beinhalten, sollten Sie gegen Mittag Handeln. Damit erhöht sich Ihre Chance, dass die Börsen, an denen die im ETF enthaltenen Wertpapiere gehandelt werden, noch offen sind.

Eine wichtige Ausnahme bei dieser Regel: Deckt der von Ihnen anvisierte ETF einen ausländischen Markt in einer anderen Zeitzone ab, wie z.B. die USA oder Indien, dann sollten Sie Ihre Order in jedem Fall während der Öffnungszeit der ausländischen Börse platzieren. Wenn Sie also zum Beispiel einen ETF auf den S&P 500 Index kaufen wollen, sollten Sie warten, bis die Wall Street geöffnet hat. Ein ETF auf den indischen Markt sollte dagegen am Vormittag gehandelt werden. Dadurch vermeiden Sie, dass der Marktpreis der Indexbestandteile, der sich wahrscheinlich seit dem vorangegangenen Handelstages geändert hat, nur geschätzt wird (und die Spreads entsprechend weit sind). Bei Rohstoffen empfiehlt sich, erst im Laufe des Tages zu handeln, da diese in der Regel in US-Dollar notieren. Weil sich natürlich auch die anderen Marktteilnehmer dieser Tatsache bewusst sind, ist die Liquidität später am Tag zumeist besser.

* Dieser Artikel erschien ursprünglich im EXtra Magazin, April-Ausgabe 2012, Seite 24-25.

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.