Fonds-Fokus: DWS Invest Global AgriBusiness

Es werden weltweit Nebenwerte gekauft, die in der Nahrungsmittelproduktion tätig sind.

Simon Nöth 30.06.2008
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Der DWS Invest Global Agribusiness ist ein Themenfonds. Im Allgemeinen wird argumentiert, dass sich das Ernährungsverhalten der größer werdenden Mittelschichten in den Emerging Markets verändert und dadurch die Lebensmittelproduktion global an Bedeutung gewinnt. Auf die Idee kam Kratz, als er den DWS Global Thematic vor viereinhalb Jahren übernommen hatte, in dem Agrarbusiness ein Thema von zwölf war.

Das Aktienuniversum wird entlang der Wertschöpfungskette der Nahrungsmittelindustrie definiert und umfasst etwa 1000 Aktien. Für den Fonds verbleiben 600 Unternehmen, in die investiert werden kann und die detaillierter unter die Lupe genommen werden. Etwa 350 Aktien werden von hauseigenen Deutsche Bank-Analysten abgedeckt und 250 Titel analysieren die zwei Fondsmanager mit zwei Anal

ysten selbst. Die Aufstockung des Teams um zwei weitere Analysten steht kurz bevor.

Die Aktien werden sowohl quantitativ als auch qualitative bewertet. Dafür verwendet das Fondsmanagement sowohl Top-Down Argumente als auch Bottum-up Kriterien. Preisprognosen für wichtige Rohstoffe kalkuliert das Team selbst. Um sich ein kompletteres Bild von der Nahrungsmittelbranche zu machen, werden die Aktien eigens in 25 Subsektoren aufgeteilt. Zu den Subsektoren zählen Düngemittelproduzenten, Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen und Bewässerungsanlagen, aber auch Lebensmittelkonzerne, Viehzüchter und Saatguthersteller.

Unternehmensbesuche in der Ukraine oder in Brasilien gehören für das Fondsmanagement zur qualitativen Bewertung. Für die Aktienselektion spielen auch Kriterien wie die Qualität der dortigen Böden, Handelsbeschränkungen, Klimadaten, Ernteausfälle oder ausbaufähige Nutzflächen eine Rolle. Die letztendliche Titelauswahl obliegt den Fondsmanagern Oliver Kratz und Ralf Oberbannscheidt.

Die Top-Positionen Archer Daniels, Syngenta und Bunge haben sich in den vergangenen 18 Monaten wenig verändert. Hingegen wurden Positionen reduziert, die besonders in der letzten Zeit gut liefen. Dazu zählten K+S, Monsanto oder Potash Corporation. Das entspricht auch der Philosophie von Kratz, sich von Aktien zu verabschieden, die bereits auf den Spickzetteln anderer Fondsmanager stehen. Aufgrund der hohen Mittelzuflüsse mussten weniger Aktien verkauft werden, um den prozentualen Anteil im Portfolio zu senken. Das Team sucht derzeit nach Unternehmen aus der zweiten Reihe. Besonderes Augenmerk schenken sie Aktien aus den Subsektoren Landbesitz und Infrastruktur. Darunter verstehen die Manager Unternehmen, die fruchtbares Land für den Anbau besitzen und Unternehmen, die die Logistik innerhalb der Nahrungsmittelproduktion bereitstellen. Beides fällt in den produzierenden Teil der Wertschöpfungskette. Nahrungsmittelproduzenten, also Firmen die im Handel aktiv sind, sind nur interessant, wenn sie die gestiegenen Preise an die Endkunden durchsetzen können.

Bei der Länderallokation sind die USA mit 17% am stärksten vertreten, gefolgt von Brasilien mit 9% und der Schweiz mit 6%. Seit Auflage wurden Anteile an israelischen und brasilianischen Aktien aufgebaut. Insgesamt sind ein Viertel in den Emerging Markets investiert. Grundnahrungsmittel machen über die Hälfte im Portfolio aus, während Rohstoffe und Industriewerte zusammen auf über 40% kommen. Das Fondsvolumen hat sich innerhalb eine Jahres von 100 Mio. Euro auf heute 1,8 Mrd. Euro erhöht. Das gesamte verwaltete Vermögen (umschließt auch Tranchen, die nicht in Europa zum Vertrieb zugelassen sind) beläuft sich auf 3 Mrd. Euro. Ein Teil der Fondsmanagervergütung wird an die langfristige Performance (nach drei Jahren) des Fonds gebunden. Es wird eine interne Benchmark verwendet, die uns jedoch nicht genannt wurde. Der MSCI World Small Cap würde als Benchmark für die Vergütung auch keinen Sinn machen. Bei der DWS werden die Fondsmanager leider noch nicht in Form von Fondsanteilen bezahlt.

Fazit:
Der Fonds zählt zu den ersten auf seinem Gebiet und auch der Fondsmanager verfügt durch seine vorherige Tätigkeit über Erfahrung im Research auf dem Agrarsektor. Trotzdem ist der Fonds aus unserer Sicht eine Sektorwette auf Grundnahrungsmittel, Industrie- und Rohstoffwerte, die sich allein auf die Lebensmittelproduktion konzentrieren. Wir denken, dass der Fonds nur eine Beimischung in einem ausgeglichenen Portfolio sein sollte. Die aktuelle Verwaltungsgebühr liegt bei 1,5% und die TER wurde für 2007 mit 1,87% angegeben. Aus unserer Sicht könnten auch die gestiegenen Mittelzuflüsse in Form von niedrigeren Verwaltungskosten an die Anleger zurück gegeben werden und/oder die Research Kapazitäten weiter erhöht werden.
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Über den Autor

Simon Nöth  ist Fondsanalyst bei Mornigstar