Fondskosten gehen europaweit zurück

Es gibt markante Unterschiede zwischen der Gebührenentwicklung in den einzelnen Ländern. Trennung von Vertriebs- und Produktkosten macht Fonds vielerorts günstiger. Indexierungswelle infolge des Bundesgerichtsurteil bewirkt Erdrutsch bei Kosten. 

Ali Masarwah 23.08.2016

Es gibt gute Nachrichten für viele Investoren in Europa: Die Fondskosten sinken vielerorts. Das macht sich bemerkbar an der Entwicklung der laufenden Gebühren. Eine umfassende Morningstar Untersuchung hat zutage gefördert, dass in den vergangenen drei Jahren die laufenden Gebühren kapitalgewichtet von 1,09 Prozent auf 1,0 Prozent gesunken sind. Die Gebühren von Aktienfonds gingen um gut elf Prozent von 1,43 Prozent im Jahr 2013 auf 1,27 Prozent in diesem Jahr zurück. Rentenfonds verbilligten sich deutlich stärker, und zwar um rund 17 Prozent von 0,89 Prozent auf 0,74 Prozent. Die Kosten von Mischfonds reduzierten sich indes nur von 1,56 Prozent auf 1,47 Prozent.

Unser Studienautor Nikolaj Mikkelsen macht diesen für Anleger erfreulichen Rückgang vor allem an zwei Trends fest: Fonds(tranchen), die keine Vertriebsgebühren enthalten, werden immer stärker nachgefragt. Zugleich streben immer mehr Anleger nach günstigen Fonds. Doch das deutet an, dass der ohnehin heterogene europäische Fondsmarkt sich immer stärker differenziert. Jenseits der für Investoren positiven Schlagzeile gilt es also, die Trends in den Einzelmärkten nachzuskizzieren. Dies ist aufgrund des grenzüberschreitenden Vertriebs schwierig. 

Brüche im Fondsvertrieb entschlacken Fonds um Retrozessionen

Die naheliegende Approximation ist die Messung der Kosten von Fonds nach Auflagestandort. Hier zeigt sich, dass der grösste Kostenrückgang in solchen Märkten zu beobachten ist, in denen seit 2013 Strukturbrüche zu beobachten waren: Grossbritannien, die Niederlande sowie die Schweiz. In Grossbritannien und den Niederlanden sind so genannte Kickbacks heute verboten. Es dominieren dort so genannte "Clean Shares", also Fonds(tranchen), die keine Vertriebsgebühren enthalten. Die Produktkosten wurden dort also um Kickbacks „entschlackt“.

Auch in der Schweiz sind Retrozessionsmodelle heute im Abseits. Im Zuge wiederholter Urteile des dortigen Bundesgerichts, in denen es um die Vergütung des Vertriebs von Vermögensverwaltern ging, setzen in der Schweiz Banken und Vermögensverwalter sehr viel stärker als zuvor auf günstige Indexfonds.

Die Folgen dieser überwiegend regulatorisch bedingten Veränderungen sind frappierend: Seit 2013 sind die Kosten von Anlagefonds am stärksten in den Niederlanden zurückgegangen, und zwar um 36 Prozent. In der Schweiz reduzierten sich die Kosten um gut 21 Prozent und in Grossbritannien sanken sie immerhin um knapp 16 Prozent. Besonders eklatant fiel der Rückgang der Kosten von Aktien- und Obligationenfonds in der Schweiz aus, die sich jeweils nahezu halbierten. Die untere Tabelle illustriert die Zahlen im Einzelnen. 

Tabelle: Niederlande hui, Spanien pfui: Laufende Fonds im europäischen Überblick

 

Ein gänzlich anderes Bild präsentiert sich mit Blick auf Fonds, die in Deutschland und Österreich aufgelegt sind. Deutsche Fonds verteuerten sich vermögensgewichtet gegenüber der Untersuchung aus dem Jahr 2013. Die laufenden Kosten betragen aktuell 1,25 Prozent nach 1,18 Prozent. Das liegt vor allem daran, dass der Zuwachs der (relativ teuren) Mischfonds deutlich stärker ausfiel als bei den (relativ günstigen) offenen Immobilienfonds. Die Kosten von Aktienfonds, die in Deutschland aufgelegt sind, sanken nur minimal von 1,49 Prozent auf 1,48 Prozent. Die Kosten von Rentenfonds blieben konstant bei 0,75 Prozent, und die in Deutschland aufgelegten Mischfonds vergünstigten sich ebenfalls nur leicht um vier Basispunkte auf 1,55 Prozent. 

Die Gesamtkosten von österreichischen Fonds verharrten bei 1,12 Prozent. Während die Kosten von Mischfonds recht deutlich von 1,69 Prozent auf 1,57 Prozent sanken, verharrten die Kosten von Rentenfonds bei (relativ günstigen) 0,68 Prozent, und Aktienfonds verbilligten sich minimal um drei Basispunkte auf 1,92 Prozent. Damit zählen Aktienfonds, die in Österreich aufgelegt sind, zu den teuersten Produkten in Europa. Nur Aktienfonds in Italien sind mit vermögensgewichteten Kosten von 2,11 Prozent noch teurer. 

Apropos teuer: Neben den Kosten deutscher Fonds verteuerten sich Fonds mit Domizil Spanien, Italien und Dänemark. 

Investoren in Deutschland und der Schweiz profitieren von Skaleneffekten

Die günstigsten Fonds finden sich europaweit in der Schweiz und Irland mit Kosten von jeweils 0,62 Prozent. Während in der Schweiz der Einsatz von Indexfonds der wichtigste Grund für das absolut gesehen niedrige Kostenniveau ist, sind irische Fonds deshalb so günstig, weil an diesem Standort Geldmarktfonds eine besonders grosse Rolle spielen. In den Asset Klassen Aktien und Renten fallen die Kosten irischer Fonds durchschnittlich aus; irische Mischfonds sind europaweit sogar die teuersten Produkte ihrer Art. 

Für Anleger, die auf deutsche Fonds setzen, gibt es indes eine gute Nachricht: Sie profitieren stärker als die meisten Anleger in anderen europäischen Ländern von Skaleneffekten. Bei steigendem Fondsvermögen gehen die Kosten also überwiegend zurück. Dieser Trend macht sich auch bei Fonds aus Schweden, den Niederlanden und der Schweiz besonders bemerkbar. (Nur Dänemark weist den gegenteiligen Trend auf: Hier sind grosse Fonds teurer als kleine Fonds.) 

In die Auswertung flossen die Daten von rund 90.000 Fondstranchen ein. Dabei wurden auch zwischenzeitlich liquidierte Fonds berücksichtigt. ETFs wurden dagegen nicht inkludiert, da es sich hier ausschliesslich um grenzüberschreitende Produkte handelt und das Fondsdomizil keine Rolle spielt.

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.