ETFs: Gewinner und Verlierer im August 2023

Uran, türkische Aktien und Agrar-Rohstoffe sind die Favoriten des Monats. Gelitten haben Digital Asset-Strategien.

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ETF

Laut Morningstar-Daten lag die Rendite der börsengehandelten Produkte (ETPs) im August zwischen 13,03% und -28,26% (in Euro).

Top 12: Uran und türkische Aktien

In den August Top 12 der börsennotierten passiven Fonds, also Exchange Traded Products (ETPs), liegt Sprott Uranium Miners ETF Acc (U3O8)  mit einem Plus von über 13 Prozent auf Platz eins. 

Der Uranpreis ist zuletzt deutlich nach oben geschnellt. Sowohl die Angebots- wie auch die Nachfrageseite stützen. So wurde lange Zeit zu wenig in den Abbau von Uran investiert.

 

Aufschwung der Kernenergie stützt Uranpreis

Gleichzeitig erlebt die Kernenergie in vielen Ländern einen Aufschwung. Damit verbessern sich die langfritisten Nachfrageaussichten. Uranbergbau-Unternehmen sind die Gewinner. 

In den Vereinigten Staaten beispielsweise wurde dem Senat der ADVANCE Act vorgelegt. Dieser Gesetzentwurf soll die Entwicklung und den Einsatz von Kernenergietechnologien in den Vereinigten Staaten unterstützen.

Auch Frankreich forciert die Kernenergie weiter: Im Juni wurde ein Paket von über 100 Millionen Euro für den Wiederanlauf der Atomindustrie angekündigt. Das französische Ministerium für Energiewende wird diese Mittel in Ausbildung, Forschung und Innovation im zivilen Nuklearsektor investieren. Präsident Emmanuel Macron kündigte bereits im Februar 2022 eine „Wiederbelebung der französischen Nuklearindustrie“ an.

Das Vereinigte Königreich strebt ebenfalls eine Erhöhung der Energiesicherheit durch Kernkraft an. 

Noch bedeutsamer ist das Beispiel Kanadas, das nach einer 30-jährigen Pause zur Kernenergie zurückkehrt und die Atomindustrie wieder auf Vordermann bringen will. Um den steigenden Strombedarf zu decken, plant die Provinz Ontario den Bau von drei neuen kleinen, modularen Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR) sowie die Erweiterung einer bestehenden Anlage, die zur größten der Welt werden wird, berichtet Roberta Caselli, Rohstoffexpertin bei Global X.

Die Wiederbelebung der Kernkraft sei auch für Schwellenländer interessant. „Die Türkei hat kürzlich angekündigt, bis Mitte 2050 20 GW Kernenergie zu entwickeln, während weiter östlich Pakistan mit China zusammenarbeitet, um sich von seiner Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu lösen: Die beiden Länder unterzeichneten eine Vereinbarung zum Bau eines Kernkraftwerks im Wert von 4,8 Milliarden USD, das über eine Leistung von 1.200 Megawatt verfügen soll. Das Projekt namens Chasma 5 wird in Punjab entwickelt.

Saudi-Arabien erwägt ein Angebot aus China zum Bau eines Atomkraftwerks: Dieser Schritt könnte dem arabischen Königreich einen strategischen Einfluss in den laufenden Gesprächen mit den Vereinigten Staaten über die Schaffung einer eigenen zivilen Atomindustrie verschaffen.

„Unterdessen überprüft die indische Regierung ihr Atomenergiegesetz mit dem Ziel, privaten Unternehmen den Einstieg in die derzeit staatlich kontrollierte Atomindustrie zu ermöglichen“, so Caselli. 

 

Türkischer Aktienmarkt gewinnt

Die Plätze zwei, drei und vier im Ranking belegen drei Replikanten des MSCI Turkey, der um fast 10 Prozentpunkte zulegte.

Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, er sei bereit, dem neuen Finanzminister und der Zentralbank-Chefin Spielraum zu geben, und die zuletzt unorthodoxen Maßnahmen, einschließlich fallender Zinsen trotz hoher Inflation, aufzugeben. Die Zentralbank erhöhte diesen Monat die Zinssätze um 7,5 Prozentpunkte und damit viel stärker als erwartet, was zu einer Rallye bei Aktien, Währungen und Anleihen führte.

Die Inflationsrate von fast 50% pro Jahr und die Volatilität der Lira haben Anleger dazu veranlasst, ihre Ersparnisse in Aktien anzulegen. Schließlich spiegeln Aktien nominale Gewinne wider, und solange Unternehmen in der Lage sind, die hohe Inflation an die Kunden weiterzugeben, berücksichtigen die Bewertungen von Aktien den Effekt steigender Verbraucherpreise. Dies kann Aktien für Anleger attraktiv machen, deren Ersparnisse sonst von der Inflation aufgezehrt werden. Die an der Istanbuler Börse gehandelten Wertpapiere profitierten daher von Käufen türkischer Anleger, die sich vor der steigenden Inflation schützen wollten.

Diese Entwicklung markiert eine Trendwende gegenüber den ersten sieben Monaten des Jahres, als türkische Aktien mit die größten Verluste unter den Schwellenmärkten verzeichneten.

 

 

 

 

 

 

 

Die Flops 

In der Liste der ETFs, die im Monat August am meisten verloren haben, steht Uniswap ganz oben. Die dezentrale Krypto-Börse und ihr UNI-Token stand in den letzten Monaten im Mittelpunkt von Kontroversen. Einige Benutzer hatten rechtliche Schritte eingeleitet, weil ihren Aussagen zufolge gefälschte Token auf Uniswap gehandelt wurden und sie so finanzielle Verluste erlitten hatten.

Allerdings hat ein Richter in New York kürzlich diese Sammelklage abgewiesen und entschieden, dass Uniswap und die beteiligten Risikokapitalfirmen nicht haftbar gemacht werden können, wenn ein Betrüger das Protokoll nutzt. Diese Entscheidung könnte erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Welt der Kryptowährungen haben. 

 

 

 

Die größten ETFs

Bitte beachten Sie: Die monatlichen Top- und Flop-Performer sind oft sehr volatile und daher riskante Produkte, die in Ihrem Portfolio auf jeden Fall nur eine kleine Rolle spielen sollten. Größerer Bestandteil Ihres Portfolios sollten die großen ETFs sein.

Wie immer haben wir inverse und gehebelte Fonds ausgeklammert. Da es sich bei diesen Instrumenten um rein passive Produkte handelt, spiegeln sie die Entwicklung der Märkte wider, ohne die (gute oder schlechte) Tendenz eines aktiven Managers zu berücksichtigen.

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Über den Autor

Valerio Baselli und Antje Schiffler  EMEA Editorial Research Team