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Fonds 2017: globaler Markt, lokaler Markt

Im letzten Teil unserer Übersicht zu neuen Fonds am Markt blicken wir auf die Anbieter und auf die Märkte, in denen die neuen Produkte vertrieben werden.  

Ali Masarwah 04.09.2017

In unserer Serie zu neuen Fonds präsentieren eine Übersicht über neue Produkte im Jahr 2017. Dabei geht es um die Frage, wer welche Fonds im ersten Halbjahr 2017 auf den Markt gebracht hat. Im ersten Teil haben wir eine erste Übersicht gegeben, im zweiten Teil haben wir untersucht, in welchen Asset-Klassen neue Produkte auf den Markt gebracht wurden und haben auch auf das grosse Aktiv-Passiv-Schisma geblickt. Im dritten Teil haben wir die neuen Fonds im Spiegel der Morningstar Kategorien betrachtet. Im vierten und letzten Teil der Auswertung blicken wir nun auf die Anbieter der neuen Fonds und versuchen, die Vertriebsregionen der neuen Fonds näher einzugrenzen. 

Bei den Anbietern neuer Fonds steht das institutionelle Geschäft im Vordergrund 

Blicken wir nun auf Die Absatzbilanz nach Fondsanbieter. BlackRock brachte längst nicht die meisten Fonds im ersten Halbjahr auf den Markt – hätten wir unsere untere Tabelle nach der Anzahl neuer Fonds sortiert, dann käme das US-Haus mit 14 neuen Produkten in Europa gerade einmal auf Rang 12. Da unsere Tabelle allerdings nach Fondsvermögen sortiert ist, befindet sich BlackRock mit einem verwalteten Vermögen von 21,1 Milliarden Euro in neuen Fonds einsam an der Spitze. 

Gut 18 Milliarden Euro stecken in sehr günstigen passiven Aktien-Pensionsmandaten, die in Grossbritannien vertrieben werden. Dieser Befund ist insofern interessant, als das passive Geschäft von BlackRock im Bewusstsein der meisten Beobachter unter dem Dach der ETF-Tochter iShares stattfindet. Dass dies mitnichten der Fall ist, zeigt unsere Statistik. IShares liegt auf Platz 25 und ist damit nicht in der Tabelle der Top 20 Anbieter enthalten. Die ETF-Tochter von BlackRock brachte 15 neue Produkte im ersten Halbjahr auf den Markt und damit einen Fonds mehr als BlackRock. In diesen Produkten steckten per Ende Juni allerdings "nur" 1,2 Milliarden Euro. 

Der grosse Unterschied bei BlackRock zwischen börsennotierten und nicht-börsennotierten Indexfonds beim verwalteten Vermögen zeigt schlaglichtartig, dass Institutionen nicht notwendigerweise auf ETFs setzen, wenn sie passive Mandate bei Asset Managern in Auftrag geben -das war jedenfalls bei BlackRock im ersten Halbjahr der Fall. (Indexfondsgeschäft werden bei BlackRock übrigens von einem Team gemanagt, egal, ob das Geld der Investoren schlussendlich in ETFs oder nichtbörsennotierten Fonds landet.) 

Ganz ähnlich verhält es sich bei der Deutschen Asset Management, die sich mit 7,4 Milliarden Euro im Ranking nach Anbieter auf Platz drei wiederfindet. Eingespielt wurde das meiste Geld mit zwei alternativen Dachfonds, die für das Pensionsfonds-Geschäft aufgelegt wurden. Nicht in den 7,4 Milliarden Euro ist das Neugeschäft von Xtrackers enthalten. Die ETF-Tochter der Deutschen Bank brachte im ersten Halbjahr nur einen neuen ETF auf den Markt, der per Ende Juni ein Vermögen von gut 200 Millionen Euro aufwies. 

Tabelle: Neue Fonds am Markt: Das Ranking nach Anbieter

 

Wie die obere Tabelle zeigt, kommt Eurizon vor allem dank des Verkaufs von Laufzeit- und anderen Mischfonds über das Filialnetz der Mutterbank Intesa Sanpaolo auf Rang zwei mit 56 Fonds, in denen knapp 9,5 Milliarden Euro stecken. Es handelt sich überwiegend um die bereits angesprochenen sehr teuren Laufzeitfonds und weisen Durchschnittskosten von gut 1,5 Prozent jährlich auf. Zusätzlich erheben 40 der 56 neuen Eurizon-Fonds laut unserer Datenbank Performance-Gebühren von jeweils rund 20 Prozent.   

Aus der Gesamtübersicht der grössten 20 Anbieter nach verwaltetem Vermögen in neuen Fonds geht hervor, dass neben BlackRock nur Credit Suisse und Candrian einen hohen Anteil ihrer neuen Assets mit ihrem Indexfondsgeschäft einsammelten. Ansonsten dominierten in Europa Anbieter, die das Geschäft mit aktiv verwalteten Fonds betreiben. Das wird vor allem bei Anbietern deutlich, die ihren Geschäftsschwerpunkt in Südeuropa haben. Hier sind Indexfonds Mangelware. Allerdings ist das Geschäft mit aktiven Fonds deutlich kleinteiliger als das Indexfondsgeschäft. 

Wo die Fonds verkauft werden: Die Vertriebsregionen im Fokus 

Abschliessend sortieren wir die Daten zu neu aufgelegten Fonds nach einem Kriterium, das sonst recht selten in der Öffentlichkeit auftaucht: Die Vertriebsregion. Dies ist ein Datenpunkt, der Beobachtern Aufschluss darüber gibt, in welchen Ländern ein Fonds vertrieben wird. Die Zugehörigkeit zu einer Vertriebsregion richtet sich nach den Ländern, in denen ein Fonds zum öffentlichen Vertrieb zugelassen ist.

Allerdings wird die Eingrenzung des Vertriebsmarkts durch den grenzüberschreitenden Fondsvertrieb in Europa erschwert. Viele Fonds werden nicht nur in den Ländern vertrieben, in denen sie aufgelegt werden. Hier sind in erster Linie die grossen Fonds-Produktionsstandorte Luxemburg und Dublin zu nennen. Fonds, die dort aufgelegt werden, werden in aller Regel woanders verkauft. Dieser Konstellation tragen wir mit unserer Methodologie Rechnung, indem wir schauen, wo ein Fonds zum öffentlichen Vertrieb zugelassen ist. Fonds, die aus den typischen Produktions-Hubs – in erster Linie Irland und Luxemburg – stammen und nur in einem weiteren Land zum Vertrieb zugelassen sind, ordnen wir diesem Markt (und nicht dem Hub) als Vertriebsregion zu.

Zur Illustration ein Beispiel. Einen Fonds, der in Luxemburg aufgelegt wurde und nur in Deutschland und Luxemburg zum Vertrieb zugelassen ist, ordnen wir der Vertriebsregion Deutschland zu. Wird dieser Fonds nun in einem weiteren europäischen Land zum Vertrieb zugelassen, lautet die Vertriebsregion nunmehr Europa (European Cross-Border). Wird dieser Fonds zusätzlich in einem nicht-europäischen Land zum Vertrieb zugelassen, handelt es sich um einen Fonds der Vertriebsregion „Global Cross-Border“. Wird dieser Fonds indes nur am Ort seines Domizils, also in Luxemburg, zum Vertrieb zugelassen, handelt es sich um einen reinen Offshore-Fonds, der weltweit an einem unbekannten Ort verkauft wird. Diese Sicht der Dinge ermöglicht eine bessere Zuordnung von Fonds zu bestimmten Märkten als die Betrachtung nach Fondsauflagestandort, hat allerdings auch ihre Grenzen. So können wir bei einem grenzüberschreitend vertriebenen Fonds nur die grobe Region aber nicht den genauen Zielmarkt bestimmen. Das gilt umso mehr für ETFs, die in aller Regel grenzüberschreitend vertrieben bzw. gelistet sind. 

Der globale Offshore-Markt wird von internationalen Häusern bewirtschaftet 

Dieser Methodologie folgend steht der Offshore-Markt bei den Produkten, die im ersten Halbjahr aufgelegt wurden, an erster Stelle, wenn man das verwaltete Vermögen betrachtet. Reine Offshore-Fonds vereinten per Ende Juni ein Vermögen von gut 26 Milliarden Euro auf sich. Hier stehen Player wie die Deutsche Asset Management, Franklin Templeton, Mercer, BlackRock und M&G im Vordergrund – allesamt transnational ausgerichtete Asset Manager. Es dominiert hier der Vertrieb von aktiv verwalteten Fonds. Das geht sowohl aus der Zahl der neu aufgelegten Fonds wie auch am geringen Anteil von Indexfonds am verwalteten Vermögen - 8,4 Prozent - hervor. 

Bereits an zweiter Stelle folgt der britische Markt. Hier dominierte 2017 indes der Vertrieb passiv verwalteter Fonds, wobei die bereits erwähnten Indexfonds von BlackRock mit einem verwalteten Vermögen von rund 18 Milliarden Euro den britischen Markt für neue Produkte im ersten Halbjahr dominiert haben.   

Beim Italienischen Markt handelte es sich dagegen um einen Retail-Markt, in dem vor allem Laufzeitenfonds über die Filialnetze der Banken vertrieben wurden. Indexfonds sind in der Vertriebsregion Italien nicht präsent.  

Es folgt der paneuropäische Markt, der ebenfalls von aktiv verwalteten Produkten dominiert wird. 

Auffällig ist, dass Indexfonds in den Märkten eine grössere Rolle spielen, in denen innerhalb der vergangenen Jahre ein Wandel der Vertriebsarchitektur stattgefunden hat. In Grossbritannien und den Niederlanden wurden Kickbacks verboten, und in der Schweiz haben viele Banken den Privatkundenvertrieb auf Honorarmodelle umgestellt. Dieser Übergang hat zur Folge, dass es in diesen Märkten nunmehr im Interesse des Vertriebs liegt, Kunden günstige Produkte anzubieten – ihr Honorar ist schliesslich auch ohne Kickbacks sicher, und wer das Kundenportfolio mit günstigen Fonds bestückt, hat eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Investments erfüllt, indem er die Kosten unter Kontrolle hält. 

Tabelle: Die wichtigsten Vertriebsregionen im ersten Halbjahr 2017

 

Hier finden Sie die vierteilige Serie in der Übersicht:

Teil 1: Einführung: Die Übersicht: Der Fondsstandort Europa: Neue Produkte am Markt 2017

Teil 2: Übersicht nach Asset-Klassen: Mischfonds dominieren das Neugeschäft in Europa

Teil 3: Übersicht nach Morningstar-Kategorie: "Italiener" mögen es bei den Gebühren gerne opulent: Neue Fonds im Spiegel der Morningstar Kategorien

Teil 4: Übersicht nach Fondsanbieter und Vertriebsregion: Fonds 2017: globaler Markt, lokaler Markt

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.